Anton Bruckner: Messe Nr. 2 e-Moll

Anton Bruckner - Anton Bruckner: Messe Nr. 2 e-Moll

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Dem Göttlichen nahe

Anton Bruckner war der bedeutendste Symphoniker nach Beethoven. Sein Frühwerk wie auch seine sakralen Werke sind, im Gegensatz zu den großen Symphonien, kaum bekannt. Da schafft diese CD willkommene Abhilfe.

Erst mit 40 Jahren, nach 24 Jahren intensiver Studien in Musiktheorie, Kontrapunkt und Komposition, fühlte sich Anton Bruckner reif genug für ein eigenständiges, freies Komponieren. Das war 1864, zwei Jahre vor der Komposition unseres Hörbeispiels aus seiner zweiten Messe.

Doch selbst danach dauerte es noch einmal mindestens dreizehn Jahre, bis dieser ganz für sich allein denkende und schaffende, in St. Florian und Linz als Domorganist lebende Perfektionist einigermaßen mit sich zufrieden war. Falls überhaupt jemals: Die erste Fassung seiner 4. Symphonie etwa komponierte Bruckner weitgehend im Jahr 1874 und revidierte sie danach noch dreimal, 1878, 1880 und 1889.

Viele vor 1869 entstandene Werke hat Bruckner selbst als unreife Frühwerke abgetan und "annuliert". Obwohl diese knallharte Selbstauslese zu einigen der großartigsten Symphonien aller Zeiten beigetragen hat, war der Mann zu Unrecht so gnadenlos mit sich, wie das "Kyrie" mit dem seine 2. Messe von 1866 beginnt, demonstriert.

Bruckners völlig eigener Kompositionsstil und sein charakteristischer, unverwechselbarer Klang, den auch Laien oftmals sofort erkennen, ist bereits vollkommen ausgebildet. Seine Formsprache gründet auf Steigerungswellen. Blöcke aus kurzen Melodiefragmenten werden gegeneinandergestellt, erweitert und übereinandergeschichtet, bis ein musiko-logischer Punkt der maximalen Expansion des Materials und seiner Kontraste erreicht ist. Dann folgen Auflösung und Rückführung auf den Ausgangspunkt. Diese von ihm selbst erdachte Kompositionstechnik erlaubte Bruckner den Aufbau riesiger Spannungs- und Entwicklungsbögen wie es sie zuvor und seitdem nicht in der Musik gegeben hat.

Hinzu tritt eine Schönheit und Reinheit der thematischen Einfälle und des Gefühls, die sich mit Bach messen kann. Umgesetzt mit der ausorchestrierten, spätromantischen Tonsprache eines Richard Wagner reichen Bruckners eherne, kathedralenartige Konstruktionen in wahrhaft göttlich erscheinende künstlerische Höhen hinauf.

1 CD, ca. 66 Minuten

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