Gurrelieder

Arnold Schönberg - Gurrelieder

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Ein Schlüsselwerk für Spätromantik und Moderne
Der Schlusspunkt: Mit den "Gurreliedern", an denen Arnold Schönberg 10 Jahre, von 1901 bis 1911 komponierte, trieb er die romantische Ausdruckform an ihre äußersten Grenzen - und im späteren Verlauf seiner Karriere weit darüber hinaus.

Mit der Zwölftonmusik hat Arnold Schönberg die Musik in eine ihrer großen modernen Sackgassen geführt. Die atonale Misere, aus der sich die sogenannte "ernste" Musik erst seit etwa 1 1/2 Jahrzehnten wieder zu befreien beginnt, geht maßgeblich auf ihn zurück. Aber: Sein großes Jugendwerk, die "Gurrelieder", dessen ultra-spätromantische Umfangsgröße (Solisten, mehrere Chöre, Riesenorchester, 2 Stunden Aufführungsdauer) von niemandem mehr zu toppen war, führt - gemeinsam etwa mit den Symphonien Gustav Mahlers - das Dilemma vor Augen, das zu einem solch radikalen Bruch, wie Schönberg ihn schließlich vollzog, führen mußte:

Die in der Wiener Klassik erarbeitete Ausdrucksform war ausgeschöpft, sozusagen aus-"erzählt". Auf deren Wegen ging es nicht weiter, etwas Neues mußte her. Allerdings ist es bis heute niemandem gelungen, ein neues Rahmenwerk zu erfinden, das die musiko-logischen Konstruktionen Joseph Haydns (Sonatenhauptsatz, Sinfonie, Streichquartett - ist nämlich alles von ihm!) sinnschöpfendend ersetzen und weiterführen könnte. Auch Arnold Schönberg nicht.

Weshalb seine spätromantischen Jugendwürfe, namentlich "Verklärte Nacht" und die "Gurrelieder" als die Werke übrig blieben, die von ihm auch heute noch aufgeführt, gehört, genossen werden. Unser Hörbeispiel, der Schlusschor "Seht die Sonne", setzt zwar ein wenig abrupt ein, da nunmal fast alle Übergänge in den "Gurreliedern" fließend komponiert sind, aber die Chance, diese unfassbar gewaltige Apotheose zu hören, sollte man sich davon nicht vergällen lassen.

Die vorliegende Aufnahme der "Gurrelieder" entstand im Rahmen einer triumphalen Euroopatournee des Dirigenten Michael Gielen mit diesem Werk, dessen Aufführung allein schon aufgrund der enormen Anzahl Mitwirkender ein nur selten gestemmter Kraftakt ist. Sie erschien 2007 anläßlich des 80. Geburtages des Dirigenten, der zu den wichtigsten Interpreten moderner Musik zählt.

2 CDs, ca. 122 Minuten

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