The Names

Baio - The Names

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Solopfad mit Stolpersteinen

5 Jahre hat Baio an eigenem Material gebastelt. Die Summe der einzelnen Teile ist überraschend.

Chris Baio hat endlich fertig. Bevor jemand fragt: "Chris wer?": der Mann spielt im normalen Leben den Bass bei Vampire Weekend, jener überaus erfolgreichen New Yorker Indie-Kapelle auf deren viertes Album man nun schon eine ganze Weile warten muss.

Mit diesem Posten im Lebenslauf könnte man sich durchaus einfach auf Aruba die Sonne auf den Pelz scheinen lassen, wenn man gerade mal nicht arbeiten muss. Herr Baio zog statt dessen nach London und nutzte die Pause für ein seit langem angekündigtes Soloalbum.

"The Names" überrascht im Guten wie auch im Schlechten. Der auffälligste Unterschied zu seinem Day Job wird gleich zum Einstieg zementiert: Baio ist seit Campus-Zeiten auch DJ und lässt seinem Faible für elektronische Klänge auf "Brainwash Yyrr Face" freien Lauf. Neben diesem und zwei weiteren, weniger geglückten Ausflügen in die Welt der Soundbastler liegt der Fokus allerdings doch eher auf dem Songwriting.

Als Vorbilder nennt er sowohl Bowie als auch Ferry; deren elegante Nonchalance kann man beispielsweise beim entspannten "Needs" auch nicht von der Hand weisen. Achtet man auf den Gesangstil als solches darf man annehmen, dass auch der ein oder andere Morrissey-Song nicht völlig unerhört blieb.

Pop und New Wave treffen auf Dance, allerlei Samples und einen Hauch Weltmusik. Ganz schön bunt. Man wird nach diesem Album Baios Einfluss auf Vampire Weekend wohl noch etwas höher einstufen müssen; die gewohnte Schrägheit und Eigenart seiner Band ist in Songs wie "Sister of Pearl" oder dem wirklich wunderbaren "Endless Rhythm" nicht zu überhören.

Dennoch ist dies weder ein verkapptes Vampire Weekend Album, noch die angestrebte 180°-Wendung. "The Names" sollte man vielleicht einfach als Spielweise verstehen - viele Ideen, viel Spaß am Experimentieren und ganz offenbar wenig Rücksicht auf Renommee oder Erfolgsdruck.

Jetzt kann man natürlich anmerken, dass sich solchen Luxus nur leisten kann, wer nichts mehr beweisen muss. Falsch! Erfolg verpflichtet und gemessen am bisherigen Output war die Fallhöhe hier enorm. Dies zu ignorieren und so frei ans Werk zu gehen erfordert Mut.

Chris Baio selbst nennt das Ergebnis im beigelegten Infozettel der Plattenfirma "tight" und liegt damit leider nur bedingt richtig. "The Names" ist zu unstrukturiert geraten um wirklich wie aus einem Guss zu wirken, zu oft haben hier der Songwriter Baio und der Producer Baio aneinander vorbei gedacht und gehandelt.

Das Versprechen, das Baio mit den vorab veröffentlichen Songs gegeben hat, kann er auf ganzer Länge nicht völlig einlösen. Aber er liefert eine ganze Handvoll toller Songs ab, ein gutes Album, das um 3 oder 4 Songs gekürzt eine brillante EP ergeben hätte. Doch wie sagt man so schön: das ist Jammern auf hohem Niveau. Ein bodenloses Fass mit überflüssigen Soloalben erfolgreicher Bandmitglieder belegt das Scheitern ihrer Ambitionen in hübscher Regelmäßigkeit. Chris Baio muss sich darum wirklich keine Sorgen machen.

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