Band Of Horses "Why Are You Ok"

Band Of Horses - Why Are You Ok

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Heiter bis wolkig

Band of Horses sind zurück und klingen, als wären sie nie weg gewesen. Die Zugeständnisse an Veränderung und Fortschritt sind minimal, kleine Ausflüge in die Moderne gehen nicht immer gut. Unterm Strich treffen kleine Katastrophen auf ganz großes Kino.

Das sind doch die aus dieser Serie, richtig? Richtig. Egal welche. Scrubs, O.C. California, Numbers, One Tree Hill - wenn es im amerikanischen TV gefühlig wird, greifen die Macher gerne zu Band of Horses. So oft, wie ihre Songs dort auf die Tränendrüse drücken, könnte man meinen, die Band sei auf Kuschelrock spezialisiert und zähle zu den Megastars im Business. Beides ist nicht die ganze Wahrheit.

Dass sie mehr können, als Teenies und Hausfrauen zum Weinen zu bringen, wissen ihre Fans natürlich. Vielleicht versteht das ja nun auch der Rest der Welt.

Ben Bridwell und die wechselnde Belegschaft seiner Band haben bislang vier Alben veröffentlicht, nun folgt das fünfte: „Why Are You Ok“ hat mit 4 Jahren länger auf sich warten lassen als die Vorgänger, auch wenn man dem Album diese Zeit nicht wirklich anmerkt. Bridwell bleibt bei dem, was er kennt und kann: unaufgeregte Songs, größtenteils im Midtempo angesiedelt und frei von allem, was man als Trend oder Zeitgeist interpretieren könnte.

Keine Experimente. Klingt erstmal wenig spannend und viele werfen der Band genau das als Stillstand vor.Doch was Kritiker als langweilig und brav abtun, kann man ebenso gut zeitlos und selbstbewußt nennen. Bis hierher also alles im grünen Bereich, denn die Stärke der Band lag auch bei früheren Alben schon im Gewohnten.

Und so machen die Pferdefreunde auch diesmal wieder kein Fass auf, das sie nicht in einer Lagerfeuerlänge austrinken können. Southern Rock, Alternative Country, Folk und Blues sind die altbekannten Zutaten, vereinzelt wird der Sound mit kleinen Samples und Filtern aufgepeppt. Dies ist jedoch ebenso dezent wie grundsätzlich unnötig, Band of Horses fischen nicht im Mainstream.

Versuche oder Annäherungen an diese Materie gehen dann auch gründlich schief: den radiotauglichen Banjo-Stampfer „Throw My Mess“ würde man selbst Mumford & Sons beidseitig um die Ohren hauen und um „Country Teen“ zu überstehen, muss man schon ein Fan der Dixie Chicks oder anderweitig hart im Nehmen sein. Schlimm.

Zum Glück besinnt Bridwell sich zügig auf das, was er wirklich kann. Und da sind sie dann doch noch: die epischen Songs, die Weite, die ganz großen Gesten, die den Sound von Band of Horses seit jeher ausmachen. Instant-Klassiker wie „The Funeral“, „Is There A Ghost“ oder das unübertroffen großartige „No One’s Gonna Love You“ aus frühen Tagen sind hier nicht dabei.

Aber instant ist ja auch in anderen Bereichen des Lebens kein Synonym für Qualität und die ein oder andere Perle zeigt sich eben erst mit der Zeit. „Solemn Oath“ , „In A Drawer“ (gemeinsam mit Dinosaur Jr.-Chef J Mascis!) und das wunderbare „Barrel House“ sind solche Perlen. 

Man kann förmlich sehen, wie Festivalbesucher sich dazu in den Armen liegen, die Feuerzeuge auspacken und sich selig schunkelnd genau dafür ein klein wenig schämen. Müssen sie nicht. Der Verfasser dieser Zeilen schämt sich auch nicht. Er seufzt nur leise. Ach… schon schön.

 

Live

20.6. Köln - Gloria Theater
22.6. Berlin - Zitadelle Spandau (mit Beck)

 

 

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