Meister der Zeremonie

Basstard - Meister der Zeremonie

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Hochglanz-Horrortrip

MC Basstard ist zurück: Nach vier Jahren Pause (die er vermutlich in einer dunklen Gruft oder einer uns Normalsterblichen unbekannten Höllendimension verbracht hat) veröffentlicht der Berliner Horrorcore-Vorreiter sein siebtes Soloalbum "Meister der Zeremonie".

Bei der Rückkehr der Underground-Legende gibt sich einige Prominenz die Ehre: Unter anderem zollen Prinz Pi, Sido und Kontra K ihrem Berliner Rap-Kollegen den in 15-jähriger Karriere wohlverdienten Respekt, und dessen Bass Crew ist natürlich auch am Start. Aber das sind nur Nebendarsteller im großen Hip-Hop-Horrorfilm, denn auf einem Basstard-Album gibt es selbstverständlich nur einen "Meister der Zeremonie".

Und was für einen: Basstard ist kein Freund des Understatements, Minimalismus gibt's bei dem gebürtigen Iraner nicht, alles verlangt nach einer großen Geste. Basstards Welt ist eine verstörende Dystopie aus fatalistischen, oft schwülstigen Endzeitfantasien, in denen selbst die sonst so harmlosen Snares und Hi-Hats irgendwie bedrohlich klingen.

Video: Basstard - "MDZ"

Die Instrumentierung ist detailreich und vielschichtig, auf wuchtige Epik angelegt und setzt in pathetischer Sprache vermittelten Schauergeschichten des 33-Jährigen mit der leicht schnarrenden Stimme gekonnt in Szene.

Aber wo ist eigentlich der namensgebende Bass? Drums treiben uns durch die düstere 'Bastard City', das Klavier findet regen Einsatz, ab und zu unterstreichen Streicher (pun intended) die gewichtige Atmosphäre. Auf dem Index wird der dunkle Zeremonienmeister (wie bei seinem 2002er Werk "Obscuritas Eterna" geschehen) diesmal wohl kaum landen, dazu ist der vertonte Horrortrip diesmal viel zu sehr auf Hochglanz poliert.

Video: Basstard - "Nur ein Basstard"

Dabei hätte allerdings ein wenig mehr Fokussierung (lies: Kürze) dem Album gut getan, denn bei 20 Tracks und XY Minuten Spielzeit lässt sich der ein oder andere Ausfall nicht vermeiden. So fällt beispielsweise "Prinzessin der Straße" mit klischeebehaftetem Casino-Swing und Gesangsfeature von der Ex-Brosis-Sängerin und heutigem Boulevard-Starlet Indira Weis komplett aus dem Rahmen, und auch das kitschige "Mädchen aus dem Osten" wirkt etwas fehl am Platz.

Wenn sich Basstard allerdings aufs Wesentliche konzentriert und unbeirrt seinen Horrorfilm fährt, dann ist das sicherlich immer noch Geschmackssache, aber dafür auf hohem Niveau.

Video: Basstard - "Antimaterie"

Download & Stream: 

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Ähnliche Künstler

Ähnliche News

Wenn der Vorhang fällt (Screenshot)

"Wenn der Vorhang fällt": Deutschrap-Doku ab März 2017 im Kino

Trailer zur neuen Hip-Hop-Doku mit Marteria, Sido und vielen mehr
Michael Münch beleuchtet in seinem neuen Film die Geschichte der deutschen Hip-Hop-Szene aus sämtlichen Blickwinkeln und lässt viele bekannte Stimmen wie Marteria, Sido, Smudo und Prinz Pi zu Wort kommen.

Empfehlungen