Rubber Soul

The Beatles - Rubber Soul

Label: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
13 Hits und ein Meisterwerk

Mehr als fünfzig Jahre alt und kein bisschen Staub auf der Vinyl angesetzt: "Rubber Soul" - das sechste Album der Beatles - hat bleibende Spuren hinterlassen.

Ja, es sind die Beatles. Und ja, es mag abgedroschen klingen, aber auch für mich war die Strahlkraft dieser Band sozusagen der Einstieg in die Musik. Der einzige elterliche Einfluss musikalischerseits waren Rolf Zuckowski-Weihnachtslieder. Das wars. Keine alten verstaubten Schallplatten, die irgendwann vom Dachboden ausgegraben wurden, keine bis zur Unhörbarkeit verstimmten Instrumente, die Jahre lang als Staubfänger dienten. Nichts. Gut, ich kannte die Songs der FIFA-Spiele aus dem "ff". Aber das war's dann auch. Und als man sich langsam anfing dafür zu interessieren, was in der Welt außerhalb der dörflichen Straußen- und Alpaka-Farm so abging, stieß man doch mit ziemlicher Regelmäßigkeit immer auf die Beatles.

Dass gerade "Rubber Soul" so ziemlich der erste Berührungspunkt mit der Musikgeschichte war, ist Zufall. Es hätte auch jedes andere Beatles-Album sein können. Und erst Jahre später begriff man, was man da in den Händen hielt: "Drive My Car", dieser Feelgood-Sommerhit, unzählige Male in Commercials zum dudeln gebracht, war für mehrere Monate der Soundtrack eines 15-jährigen Sprösslings, der seine Zeit noch lieber auf Fussballplätzen verbrachte, als vor dem Rekorder. 

So sehr einem die Sonne nach dem Opener aus dem Arsch schien, so abrupt geht es stimmungstechnisch bergab. "Norwegian Wood (This Bird Has Flown)" ist eine zeitlose Hymne über ein Liebesaus. Und selbst wenn man die Lyrics nur bruchstückhaft verstand, diese leiernde Gitarre machte einem klar, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen wird. Nebenbei übrigens ist es auch der erste Song der Popgeschichte, bei dem eine Sitar zu hören war. Es geht weiter mit "You Won't See Me", dem wohl durchschnittlichsten Song auf "Rubber Soul". Durchschnittlich, weil gewöhnlich. Und weil gewöhnlich bei den Beatles im Vergleich zu anderen noch immer herausragend bedeuted, trotzdem abnorm gut und zeitlos. 

Zeitlosigkeit ist wohl die Zuschreibung, die man zweifelsfrei jeder Beatles-Platte geben kann. "Rubber Soul" aber klingt wohl von allen Alben heute noch am modernsten: Da haben wir den heute wieder auflebenden Westcoast-Rock-Sound der Siebziger, die leidende Popballade, die im Refrain fast schon ungewohnt rotzig anmutende Nummer "I'm Looking Through You" und wir haben "In My Life". 

Hits produzierten die Beatles am laufenden Band. Songs die gleichermaßen in Kopf und Herz schießen, den Hormonhaushalt einmal kräftig durch den Mixer drehten und nichts zurückließen als pure Fassungslosigkeit und emotionales Chaos, blieben dann aber doch die Seltenheit. Und "In My Life" - der Titel über dessen Songschreibercredits in der Geschichte der zurückliegenden Jahrzehnte wohl am heftigsten gestritten worden ist - ist einer von diesen Ausnahmeerscheinungen. Und viel mehr soll darüber auch nicht gesagt werden. Alle Versuche, die Emotionalität und Ausdrucksstärke dieses Songs - und von "Rubber Soul" im großen Ganzen zu erklären - sind zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.

"Rubber Soul" erschien am 03.12.1965 über Parlophone/Capitol/EMI.

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