The Magic Whip

Blur - The Magic Whip

Redaktionswertung: 
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Zuckerbrot und Peitsche

Die berühmte Brit-Pop-Band Blur meldet sich zwölf Jahre nach ihrem letzten Album zurück mit "The Magic Whip". Statt sich in ihrer eigenen Legende zu suhlen, gelingt der Band um Sänger Damon Albarn eine hörbare Weiterentwicklung, ohne die Vergangenheit zu vergessen. 

Jedes Comeback kommt mit einer Anekdote daher. Die Geschichte von Blurs Comeback geht so: Ein Festival in Tokio, bei dem Blur auftreten sollen, wird kurzfristig abgesagt. Um die freigewordenen Tage zu nutzen, gehen sie für vier Tage in ein Studio in Hong Kong und arbeiteten an neuen Songs. Das dabei entstandene Material überzeugte die Musiker nur mäßig. Es war dann Gitarrist Graham Coxon, einst beim Erfolgsalbum "Think Tank" 2003 ausgestiegen, der die Aufnahmen gemeinsam mit Produzent Stephen Street nochmals überarbeitete, sie auseinanderdröselte und mit seinen charakteristischen Gitarrenspiel ausfüllte.

Blur - Girls and Boys (1994)

Natürlich steht Sänger Damon Albarn wieder im Mittelpunkt, doch ohne das Engagement vom einst verlorenen Gitarristen Coxon wäre dieses Album nicht möglich gewesen. Das macht es zu einer echten "Blur-Platte". Damon Albarn kam in der Zwischenzeit scheinbar ganz gut ohne Blur zurecht. Er erfand unter anderem gemeinsam mit Zeichner Jamie Hewlett Gorillaz, die erfolgreichste virtuelle Band, schrieb eine chinesische Oper, reiste für Musikprojekte nach Afrika und nahm ein erfolgreiches Soloalbum "Everyday Robots" auf. Auch andere Bandmitglieder gingen ihrer Wege, also wieso nun dieses Comeback?

Making of Blur - "The Magic Whip"

Einerseits ist die Platte kein aufgewärmter Brit-Pop aus den 90ern. Blur klingen jetzt älter, reifer und unaufgeregter als je zuvor. Immer wieder verirren sich asiatisch klingende Spielereien in ihre Songs. Auch Albarn hat sich nochmals an den Ort des Geschehens begeben und sich von Hong Kong inspirieren lassen. Neonlichter, Menschenmassen, ein Gefühl von Verlorensein durchdringt alle Songs. Natürlich gibt es auch entspanntere Nummern wie "Ong Ong" die mit den typischen Lalalala-Gesängen ausgelassene Relaxtheit ausstellen. "Lonesome Street" scheint doch noch ein Echo auf die alten Brit-Pop-Tage zu sein. Schrammelige Gitarre trifft hier auf frickeligen Bass und quirligen Gesang.

Doch der Grundtenor von "The Magic Whip" bleibt eine melancholische Betrachtung unserer überbevölkerten Welt. Der Song "Pyongyang" ist dafür ein gutes Beispiel. Beklemmend, grau und doch gibt es aufblitzende Anzeichen für Hoffnung und Trost. Zwar erreicht das Album nicht die Hitdichte des übergroßen Erfolgsalbums "Parklife". Trotzdem sind wir mehr als froh darüber, dass Gitarrist Coxon seinen viel beschäftigten Frontmann zu diesem neuen Album überreden konnte.

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