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American Psycho

Bret Easton Ellis - American Psycho

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Der Oberflächenwahn der 80er radikal zuende gedacht

Alles in Patrick Batemans Leben ist perfekt. Sein Job, sein Geld, seine Wohnung, sein Stil, seine Frauen, sein Körper. Man kann nur nicht sagen, daß ihn das gerade glücklich macht. Im Gegenteil: Es macht ihn wahnsinnig!

Eigentlich ist die Rechnung ganz einfach: Perfektionswahn erzeugt stetig steigende Ansprüche. An sich und an alles andere. Und Ansprüche erzeugen immer weiter steigenden Druck. Wenn dann endlich alles "perfekt" ist, bis hinunter zum letzten nichtigen Accessoire, stellt man fest, daß es nichts einbringt außer gähnender Leere.

Die, die diesen Weg, "Wall Street" meets "Miami Vice"-Style, inklusive gnadenlosem Zwang zur Oberflächenbrillanz, vollkommener Gefühlskälte und pervertiertem Statusdenken, einmal eingeschlagen haben, bleiben trotzdem dabei, mangels Alternativen, immer schneller, immer härter, bis zum Infarkt oder zum Burnout.

Bei Patrick Bateman läuft es anders. In dieser Figur denkt Bret Easton Ellis den eingeschlagenen Weg konsequent zuende. Wenn Crystal schlürfen, Models ficken, Armani tragen und ein perfekter Waschbrettbauch nichts anderes erzeugen, als Leere und Panik, wenn die Welt komplett herzlos ist, und nimm-was-du-brauchst das allgemeine Lebensprinzip, ohne Rücksicht und bis zum Exzess, dann bleibt ein Weg übrig, mir Erleichterung zu verschaffen: Wie man in jedem populären Serienkiller-Sachbuch nachlesen kann, erzeugt eine gefühlskalte Welt Soziopathen, Menschen, für die ein anderer Mensch denselben Status hat, wie ein Stück Holz. Für einen Soziopathen gibt es einen Weg, vorübergehend Ruhe zu finden und zwar den Tötungsakt.

Patrick Bateman bringt die Frauen um, "Restaurant-Nutten" in seiner Diktion, die mit ihm schlafen, Models, die für eine Reservierung in einem exklusiven Lokal mit einem reichen Broker alles tun, und geht dabei unvorstellbar grausam und sadistisch zu Werke.

Während des ganzen Buches folgen wir seinem inneren Film, der im Grunde nichts tut als ständig widerlichste Quälereien und endlose Aufzählungen von Luxusartikeln aneinanderzureihen, druchbrochen nur von kalt sezierenden Betrachtungen über seine Mitmenschen, die schließlich denselben Ekel in uns aufsteigen lassen, den Patrick Bateman gegen sich und alles andere empfindet.

Wie sehr das Buch einem im Halse stecken bleibt ist Easton Ellis` große literarische Leistung. Wer es kennt wird nie wieder einen Hochglanz-Werbespot mit denselben Augen sehen. "American Psycho" ist nicht obszön und krankhaft, sondern eine mit dem Hammer durchgeführte Gesellschaftsanalyse. Entsprechend ungerecht war auch die jahrelange Indizierung, obwohl es sicher kranke Seelen gibt, die sich daran aufgeilen, was auch Moritz Bleibtreu in seinem Vorwort nicht unerwähnt läßt.

Bleibtreu ist die bestmögliche Wahl für diese Tour-de-Force. Keiner unter den jungen deutschen Schauspielern hat seine Ausdruckskraft und er legt alles, was er hat in diese Lesung, die bestimmt nicht einfach war. Wie risikobereit er dabei zu Werke geht merkt man schon in unserem Hörbeispiel, das uns einmal die Runde im Kosmos des Patrick Bateman machen läßt.

Gekürzte Lesung, für Kinder und Jugendliche nicht geeignet!
6 CDs, ca. 420 Minuten

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