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Bruce Springsteen - Born To Run (Hörbuch)

Bruce Springsteen - Born To Run - Die Autobiografie

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Der Boss schreibt gegen die Depression

Vom kleinen Bruce aus New Jersey zum Boss auf der großen Super Bowl Bühne. Doch auch als Rock’n’Roll-Hall-of-Famer ist man nicht vor den Gefahren der menschlichen Existenz gefeit - und so wird die Musikbesessenheit ganz schnell zum Fluch.

Bruce Springsteen offenbart in seiner Autobiografie „Born To Run“ Seiten, die man so noch nicht von ihm kannte. Er schreibt über die schwierige Beziehung zu seinem Vater, sein Dasein als Getriebener und die Nachteile von bandinterner Demokratie. „Born To Run“, der Song, der Springsteen vor 40 Jahren den Durchbruch bescherte, war damals tatsächlich eine Art Vorgriff auf sein späteres Leben und somit der perfekte Titel für seine Memoiren.

Bruce Springsteen - Born To Run

Denn Springsteen hält die Ruhe nicht aus. Ist er nicht auf Tour oder im Studio, fällt ihm in seinem vermeintlichen Zuhause die Decke auf den Kopf. Er ist nicht dafür geboren, das einfache Leben eines amerikanischen Arbeiters zu führen, wie es seine Eltern taten. Springsteen muss die Welt auf den Kopf stellen. Und wenn nicht die ganze Welt, dann zumindest seine eigene in Freehold, New Jersey. Immer wieder. Selbst nach Jahrzehnten des Erfolgs.

So wird klar, dass Springsteens Zuhause nicht unbedingt in New Jersey liegt, auch nicht in Kalifornien, wo seine Eltern seit 40 Jahren leben - sein Zuhause ist die Musik, wo auch immer die sich verstecken mag. Sie bricht über ihn herein, als 2011 sein kongenialer Saxophonist Clarence "Big Man" Clemons stirbt oder er 2001 die Rauchschwaden des World Trade Centers aus der Ferne sieht. „Bruce, wir brauchen dich!“, ruft ein Mann aus einem vorbeifahrenden Auto in diesem Moment. Springsteen schreibt sofort sein Album fertig.

Ja, der 672 Seiten dicke Wälzer ist vollgepackt mit Schwermut, besonders als der scheinbar unverwundbare Boss, den man von seinen vierstündigen, energiegeladenen Konzerten kennt, seine unaufhaltsamen Tränenausbrüche schildert und dies auf vom Vater geerbte, von Gift verpestete Gene zurückführt.

Springsteens Vater wurde irgendwann mit paranoider Schizophrenie diagnostiziert, da war die Beziehung von Vater und Sohn freilich schon zur Genüge belastet. „Er liebte mich, aber er konnte mich nicht ausstehen.“, schreibt Bruce über Papa Douglas. Dass der Bruce auf der Bühne seinem Vater mehr ähnelt als gewollt, bekennt er erst, als er ihn zu Grabe trägt. 

Bruce Springsteen ist ein Musik-Malocher, ein Fabrikarbeiter des Rock, ein Handwerker, dessen Alltag ein Kampf ist. Gäbe es keinen Kampf, wäre der Alltag aber noch unerträglicher. Und so schwingt bei all den dunklen Passagen dennoch in jedem Satz eine Hoffnung mit, die sich auf einem Leben gründet, welches ganz und gar der Musik gewidmet ist.

Als er dann mit dem Auftritt in der Halbzeitshow des Super Bowl 2009 die größtmögliche Bühne erklommen hat, scheint Springsteen endlich angekommen zu sein. Mehr geht nicht. Nur: was kommt danach?

Als akustische Ergänzung zur Autobiografie veröffentlichte Bruce Springsteen „Chapter and Verse“, eine Collection, welche jeweils einen Song von jedem seiner Alben beinhaltet und so einen Querschnitt seiner Karriere zeigt.

Die ungekürzte Version des deutschen Hörbuchs wird von Thees Uhlmann gelesen und dauert 17 Stunden und 54 Minuten. "Born To Run - Die Autobiografie" von Bruce Springsteen erschien am 27. September 2016 via Random House Audio.

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