Images & Estampes

Claude Debussy - Images & Estampes

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Junges Talent
Die Musik Claude Debussys funktioniert auf zwei Ebenen, was oft zu Mißverständnissen führt. Natürlich verführt er zum Träumen, ist aber eigentlich der Komponist einer wachen, ganzheitlich wahrgenommenen Wirklichkeit.

Debussy ist der Komponist der kleinen, hingehauchten und verträumten, gleichsam magischen Töne. Aber Vorsicht vor der Fehletikettierung: Wie auch bei den besten impressionistischen Malern meint "Impressionismus" in der Musik ein klareres, echteres, wahrhaftigeres Wahrnehmen, welches die Innerlichkeit mit einbezieht - und nicht einen weichzeichnenden Gazeschleier. Debussy war geistig scharf wie eine Rasierklinge und ausgesprochen temperamentvoll. Jemand, der seine Musik vor seinen Ohren à la Richard Clayderman verklärt oder versüßlicht hätte, wäre seines körperlichen Wohlergehens nicht sicher gewesen.

Werke wie "Claire de lune" und "La cathedrale engloutie", die der Massengeschmack zu Hits gemacht hat, sind komplexe und sinnliche Tonbilder, die subliminale Sinneseindrücke und psychische Zustände, die sonst nur unterbewußt wahrgenommen werden, ans Tageslicht holen können. Ein gutes Beispiel sind die "Reflets dans l`eau", "Reflexionen auf dem Wasser": Jeder kennt den Zustand, wenn man aufs Wasser starrt und in den Spiegelungen der Sonne, der Bäume versinkt. Debussy hat solche Zustände und komplexen Empfindungen vertont und damit konkretisiert. Im Hörbeispiel: Seine "Hommage à Rameau".

Vanessa Wagner, Jahrgang 1973, hat in Europa schon eine Menge Klavierpreise abgeräumt. Was verwundert, da dieser weibliche Jungstar als ausgesprochen rebellisch gilt und so gar nichts von einer gut geölten "Wettbewerbsmaschine" hat. Doch sie hatte die besten Lehrer, darunter einige echte Legenden, gilt sie doch als eines der größten Talente in Frankreich nach Hélène Grimaud. Von einer 33-jährigen als Talent zu sprechen mag seltsam erscheinen, aber nur bis man sich vor Augen führt, ab welchem Alter, nämlich jenseits der 50, die größten Pianisten und Pianistinnen sich auf der Höhe ihrer Kunst befanden.

1 CD, ca. 74 Minuten

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