Il sesto libro de Madrigali

Claudio Monteverdi - Il sesto libro de Madrigali

Label: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Die allerersten Basslinien der Musikgeschichte
Claudio Monteverdi hat als erster Komponist jemals eine Basslinie unter einen Song gelegt. Seine Madrigale sind weltliche Lieder und sie sind vielleicht der revolutionärste Schritt vorwärts, den die Musik jemals machte.

Denn Liedformen wie diese boten einem Komponisten die Möglichkeit, sich unabhängig von der dominierenden und stark formalisierten sakralen Musik kreativ frei zu entfalten. Anders als für weltliche Musik zu dieser Zeit üblich, war das Madrigal komplex durchkomponiert und auf emotionalen Ausdruck hin orientiert.

Insbesondere die neuartige Herangehensweise, einen Text nicht nur einfach singen zu lassen, sondern seinen Inhalt durch die Art des Gesangs und später auch durch Instrumentierung lautmalerisch nachzugestalten, ließ in kürzester Zeit neue musikalische Formen entstehen und machte das Madrigal zum geistigen Vorläufer der Oper.

Großmeister des Madrigals und bezeichnenderweise auch der entscheidende Mitbegründer der Oper war Claudio Monteverdi. Seine Madrigalbücher lassen mit ihrer extremen Ausdruckssteigerung die Ausgeglichenheit der Renaissancemusik bereits hinter sich und kündigen das neue Zeitalter des Barock an. In seinen Madrigalbüchern vier und fünf, also den direkten Vorgängern der Sammlung auf der vorliegenden CD, begann er, mit instrumentaler Begleitung (genannt: Basso continuo) zu experimentieren. Nach dem sechsten Madrigalbuch war dann ganz Schluß mit Gesang "A capella".

Und noch etwas macht "Il sesto libro" zu einem ganz bedeutenden Punkt in der Geschichte der Musik: Das darin in extremo betriebene Auskomponieren persönlicher Emotionen. Rinaldo Alessandrini nennt es wegen der dominierenden Atmosphäre bittersüßer Melancholie "das Buch des Abschieds". Mittlerweile hat die Forschung ermittelt, daß Monteverdi die sechste Madrigal-Sammlung unmittelbar nach dem Tod von zwei geliebten Frauen komponierte, dem der Ehefrau 1607 und dem seines Mündels und Protégés im Jahr darauf. Aus diesen Schicksalsschlägen entstanden Klänge, die direkt ins trauernde Herz des großen Musikers blicken lassen, am Ende der Renaissance ein unerhörter Vorgang.

1 CD, ca. 64 Minuten

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Empfehlungen