Life Without Sound

Cloud Nothings - Life Without Sound

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend

Als gestandene Rockband die Gitarrenwände zurück zu fahren, kann gefährlich sein. Cloud Nothings machen damit aber sehr vieles richtig.

Vor zwei Jahren schien die Welt noch eine ganz andere: Indie-Rock zwar schon tot, aber die unregelmäßigen Zuckungen seiner Gliedmaßen waren deutlicher, intensiver und von größerer Durchschlagskraft. 2014 brachten die Mannen um Dylan Baldi ihre letzte Scheibe raus. "Here And Nowhere Else", so die großspurige Kampfansage an alle, die Rockmusik zu den Akten gelegt hatten. Wo damals noch herrlich verzerrte GItarrensounds und große Rockbretter das Soundbild prägten, Baldi zu gleichen Teilen ins Mikro schrie anstatt zu singen, werden die Cloud Nothings auf Album Nummer drei eingängiger. Was sich für den geneigten Fan furchtbar anhört, ist genau das Gegenteil.

Sind wir mal ehrlich, hatte der kleine illustre Kreis um Baldi schon immer ein Händchen für catchy Melodien. Auf diese Stärke besinnen sich Cloud Nothings auf "Life Without Sound" umso mehr und schielen mit Songs wie "Modern Act" oder "Things Are Right With You" dezent in Richtung Stadiontor, ohne dabei an der soundästhetischen Peinlichkeitsgrenze zu schaben. Sowas nennt man dann wohl eine Weiterentwicklung. Und dank der noch immer rotzigen Produktion sind Cloud Nothings noch immer mehr kratziger Indie-Rock als seichtes Pop-Rock-Gedudel. Alles ein klein wenig reduzierter, ein klein wenig geordneter aber genau dadurch mindestens drei mal vielseitiger. Weg ist der Charme der sympathisch-stümperhaften Gitarrenschrammelkombo, bei welcher der Sound die karge Stimme vom Frontmann immer ein wenig verstecken musste.

Jedem einzelnen Song spürt man das neu gewonnene Selbstvertrauen, ein neues Selbstverständnis an. Baldis Stimme ist der Fokus, der Dreh- und Angelpunkt, um den die Songs konzipiert wurden. Lead-Gitarre, Bass, Drums: In Nummern wie "Darkened Rings" legen sie schon noch ab und an eine fette Sohle auf's Parkett, testen die Boxen jedes kleineren Clubs auf deren Standfestigkeit, im Großen und Ganzen geht es aber etwas gediegener zu. Das steht Dylan Baldi und den Cloud Nothings aber überraschenderweise extrem gut. Und geschrien wird trotzdem noch, also keine Sorge liebe Hardcore-Fans von damals.

"Life Without Sound" erscheint am 27. Januar über PIAS.

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