The Next Day

David Bowie - The Next Day

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Die Musikpresse überschlägt sich und das hat einen Grund: Bowie ist zurück. Eine der letzten lebenden Legenden der "Golden Years" der Rockmusik. Zehn Jahre nach seinem letzten Album "Reality" wähnte man ihn längst im wohl verdienten Ruhestand, doch einmal mehr überrascht der Altmeister mit einer neuen Wendung. Wie so oft in seiner langen Karriere. 

Wieder mal hat Bowie eine Häutung hingelegt. Natürlich ist er nicht mehr der smarte Thin White Duke von "Station to Station" oder der glamouröse, androgyne Ziggy Stardust. Auch ist er nicht mehr der Pop-Superstar der 80er oder der drogenabhängige spindeldürre Bowie der Berlin-Zeit, als er gemeinsam mit Iggy Pop die Freizügigkeit der eingemauerten Stadt in vollen Zügen auskostete und mit "Low" und "Heroes" dort seine besten Alben aufnahm.

David Bowie ist heute 66 und schaut auf "The Next Day" zurück auf ein bewegtes Leben, so als sei er gerade von einem langen wilden Traum aufgewacht. Das Album zeigt einen Bowie, dessen so markante Stimme brüchig geworden ist und der sich seiner Vergänglichkeit bewusst ist. Viele Songs drehen sich ums Sterben und Leben. Er ist authentischer denn je und entsprechend berührend ist seine melancholische Hommage an Berlin "Where Are We Now?" oder seine aktuelle Single "The Stars (Are Out Tonight)", die genauso, aber mit kraftvollerer, jüngerer Stimme intoniert auch auf seinen Berlin-Alben hätte enthalten sein können.

So ist es nur konsequent, dass er als Cover tatsächlich nur eine Bearbeitung des berühmten Artworks von "Heroes" wählte und mit seinem alten Weggefährten und Produzenten Tony Visconti gemeinsam in alten Zeiten schwelgte und damit eine ganz neue Perspektive auf eine der faszinierendsten Persönlichkeiten des Pop eröffnet. Während Bowie in den 90ern immer wieder Anschluss an den aktuellen Zeitgeist suchte, was nicht immer überzeugend gelang, interessiert er sich heute dafür zum Glück überhaupt nicht mehr, sondern verlässt sich ganz auf sich selbst und seine Stärken.

David Bowie - The Stars (Are Out Tonight)


Während sein alter Kumpel Iggy mit 66 Jahren wieder gemeinsam mit den Stooges absolut umwerfend den wilden Mann markiert, schaut auch Bowie zurück auf seine Anfänge als Songwriter und präsentiert sich auf "The Next Day" als introvertierter und sensibler Künstler. Er ist natürlich nicht mehr auf dem Zenit seines Schaffens und es wäre schlicht unfair, ihn an seinen größten Alben messen zu wollen, Werke auf die selbst John Lennon neidisch war. Aber gleichzeitig gibt ihm das Freiheiten, die er früher nicht gehabt hätte. Er muss keine Rolle mehr spielen und keine Erwartungen mehr erfüllen, außer seine eigenen. Und das kostet er auf "The Next Day" in vollen Zügen aus. Bowie ist zweifellos einer der größten Visionäre, die die Popmusik je hervorgebracht hat und es ist gut, dass wir ihn wiederhaben.

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