Album

Blackheart

Dawn Richard - Blackheart

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Cyber-Amazone

Ihre Girlgroup-Tage sind längst gezählt, mit "Blackheart" sucht die 31-Jährige vielmehr die Nähe von FKA twigsBANKS und ähnlichen Vorreitern des florierenden elektronischen R&B-Sounds. 

Auf "Goldenheart" stand noch der R&B im Vordergrund, mal poppig, mal soulig, und mit seinem futuristischen Retro-Sound teils gar einem jungen Prince würdig - doch all das lässt Dawn Richard mit "Blackheart" weitestgehend hinter sich: 2015 inszeniert sich die Girlgroup-Überlebende als überirdische Cyber-Amazone. Ihre R&B-Wurzeln schimmern dabei nur noch vereinzelt durch, die Elektronik übernimmt jetzt endgültig die Vorherrschaft.

Dawn Richard - Blow

Nicht zufällig beginnt das Intro "Noir" mit einem verzerrten Acappella-Kampfgesang, bevor stampfende Drums einsetzen - die dann wiederum in den mal nervös flickernden, mal treibenden Dance-Track "Calypso" münden, der seine Inspiration irgendwo zwischen Tiefsee und Weltraum zu finden scheint.

Und die weitere Richtung vorgibt: Süßlich-eingängige Melodien und Harmoniegesänge sind zwar noch vorhanden, treten aber hinter den größtenteils aufgelösten Songstrukturen und oft experimentellen Klanggerüsten zurück. Die Klangästhetik reicht von minimalistisch bis überladen, manchmal beides im selben Song, und schreckt selbst vor (moderaten) Dissonanzen nicht zurück. Und über allem schwebt Dawns helle, klare Stimme, die manchmal verletzlich, meist aber entschlossen-kämpferisch klingt.

Ein Standout-Track ist das warm knisternde, von karibisch gefärbten Beats getriebene "Swim Free", ein anderer das kraftvolle "Phoenix" im Duett mit Dawns Ex-Bandkollegin Aundrea Fimbres, einst die andere starke Sängerin Danity Kanes. Und "Blow" und "Castles" gingen völlig zurecht als Vorab-Releases dem Album voran.

Mit "Blackheart" denkt Dawn Richard das ohnehin schon gelungene "Goldenheart" noch einen Schritt weiter und erschafft so ein eklektisches, modernes Album, dem die kreative Freiheit der Labelunabhängigkeit zweifellos bestens bekommen ist. Ob Dawn mal so groß wird wie ihr früherer Mentor Sean Combs alias Puff Daddy? Den Mut, die Kraft und das Talent hat sie jedenfalls.

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