And The Anonymous Nobody

De La Soul - And The Anonymous Nobody

Redaktionswertung: 
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schwach
mittelmäßig
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herausragend
Stilvolle Rückkehr

Mitte der 2000er gingen uns De La Soul einfach so verloren. Nach "The Grind Date" war Schluss. Zwölf Jahre später hat das Trio illustre Namen versammelt und ein fantastisches Popalbum mit starkem Hip-Hop und dezentem Jazz-Einschlag gebastelt. Resumée: Album der Woche!


Die Legenden von De La Soul waren schon immer der kleinste gemeinsame Nenner für alle Musikfans, die mit Hip-Hop relativ wenig anfangen konnten. Das Trio ist mit dafür verantwortlich, dass die Grenzen zwischen Pop, R&B, Soul, Blues und Hip-Hop heutzutage fließend ineinander übergehen können. Stumpfe, sich wiederholende Drumloops, auf denen ein  bisschen Sprechgesang gelegt wird, war noch nie ihre Sache.

Hier einen Bläserpart, da das sanfte streicheln einzelner Pianotasten, dazu vielleicht noch ein paar Streicher gefällig und natürlich werden die Texte mal gerappt, mal gesungen und fast immer von Kollaborationspartnern supportet. Ein musikalischer Gemischtwarenladen halt. 

Nach zwölf Jahren sind sie nun also mit "And The Anonymous Nobody" zurück. Das hätte im Fiasko enden können. Im Vergleich zu den Beginnern aus Hamburg, die sich ebenfalls nach satten 13 Jahren zurückmelden, sind De La Soul aber nicht in den Neunzigern stecken geblieben. Allein die Gästeliste verrät, dass De La Soul einen geschmeidigen Übergang vom damals ins jetzt versuchen.

Da haben wir zum einen Talking Heads Frontmann David Byrne, oder Usher, oder Snoop Dogg - alte Weggefährten. Und dann finden wir da mit Little Dragon, 2Chainz oder Estelle gute Beispiele dafür, dass De La Soul auch in zwölf Jahren Abstinenz nicht untätig gewesen sind.  

De La Soul - Ring Ring Ring (1991)

 

Die via Crowdfunding finanzierte Platte ist im weiten Sinne Pop. So unscharf die Abgrenzung, so nötig ist sie. In der feinen Nummer mit schicken Streicherensemble "Memory Of...(US) [feat. Estelle & Pete Rock] erinnern maximal, die mit großer Behutsamkeit vorgetragenen Sprechparts daran, dass wir es hier mit einer im Hip-Hop der Achtziger sozialisierten Band zu tun haben. Die Nummer könnte aber auch gut und gerne im Indie-Radio Anklang finden.

Gleiches gilt für die Kollaboration mit Little Dragon oder 90'er R&B-Schmusemäuschen Usher. Zwar ruft "Greyhounds (feat. Usher)" leichte Nostalgiegefühle nach der Hochzeit von R.Kelly, Aaliyah oder eben Usher hervor, De La Soul verstehen es mit einer sehr jazzlastigen Produktion das Ganze aber charmant und modern zu verpacken.

De La Soul lassen ihren Partnern viel Raum und betreten wie ein Supervisor den Raum, wenn es vielleicht mal in die verkehrte Richtung geht. Und verbannen die drei mal alle aus dem Studio, dann gibt es De La Soul in Reinform: In "Nosed Up", "Trainwreck" oder "Royalty Capes" zum Beispiel.

Für alle, die der Meinung sind, De La Soul hätten im Hip-Hop-Business nichts mehr zu melden, seien überholt, nicht mehr zeitgemäß oder einfach nicht mehr relevant, der verkennt zum einen den Stellenwert, den De La Soul für die Geschichte des Hip-Hop einnehmen. Zum anderen sollten diese Leute "And The Anonymous Nobody" noch eine Runde auf dem Plattenteller geben. Hier laufen viele Fäden der Musikgeschichte in einem Album zusammen. Wenn De La Soul im fabulösen "Here In After (feat. Daman Albarn) also "We're still here now" singen, ist das nichts anderes, als die Wahrheit.

"And The Anonymous Nobody" erscheint am 26.08.2016 via A.O.I. Records.

Download & Stream: 

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