Abcdefghijklmnopqrstuvwxyz

Die Türen - Abcdefghijklmnopqrstuvwxyz

Label: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Dieses Album braucht dich!

Eine schmissige Angelegenheit ist es, das vierte Album "einer der wichtigsten deutschen Indiebands" (Tonspion 2007). Die Türen liefern melodisch rufbesungenen Poprock voller Leidenschaft und Deutungsmöglichkeiten: Jedem sein eigenes Alphabet.

Der Albumtitel liegt dem physischen Produkt als Stickerset bei: Gestalte deinen eigenen Albumtitel, gib die Deutungsrichtung vor und bewege dich auf deine Weise zum schwungvollen Pianomarathon des Berliner Quintetts. "Abcdefghijklmnoprstuvwxyz" knüpft thematisch wie musikalisch an seinen Vorgänger "Popo" an: Zu hochsympathisch eingängigen Arrangements wird hochsympathisch verschachtelt über den Stand der Welt, der Arbeit, der Zeit, der Zwänge, der Politik, der Liebe gesungen. Kommata können in dieser Aufzählung nach Belieben gestrichen werden.

Dabei macht Türenalbumvier durch sacht verbissenes Tanzbodentreiben wett, was ihm im Vergleich zum Vorgänger an Unbeschwertheit fehlt. Es klatscht und schalaliert und treibt und setzt die Diskokugel auf den Maibaum, Ja-Panik-Sänger Andreas Spechtl spielt mit und fällt nicht weiter auf und wieder einmal ist das Pianospiel des früheren Blumfeld-Keyboarders Michael Mühlhaus ein tragendes und treibendes Element im Türensound. Ihm kann die Band vertrauen, kann vor allem Maurice Summen machen, was er will.

Und so singt er, singt die Band über die Freizeitähnlichkeiten von Rentnern und Studenten, fordern sie Mindestliebe, fordern sie Unterstützung, behaupten sie Unsterblichkeit, trösten und bangen und schimpfen und erzählen sie. Und lassen unter all dem Popschmiss die große Hilflosigkeit unserer Zeit und dieser Branche erkennen. "Dieses Lied braucht dich, damit es endlich für jemanden da sein kann", heißt es in "Dieses Lied" und schwingt es durch jedes andere Lied.

Doch weil "Abcdefghijklmnopqrstuvwxyz" diese Hilflosigkeit in Spitzenpop kleiden und Summen seine bedeutsamen Schnipsel noch immer über vorzügliche Melodiehügel fahren lassen kann, nimmt man diese Verantwortung gern wahr. Man wird an ihr scheitern – doch wenigstens nicht allein.

Download & Stream: 

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Ähnliche Künstler

Ähnliche News

Videopremiere: Tocotronic - "Prolog"

Videopremiere: Tocotronic - "Prolog"

Das neue Video der Hamburger Band hier ansehen
Tocotronic veröffentlichen am 1. Mai 2015 ihr neues "Rotes Album". Den "Prolog" zum Album gibt's hier als Video.
Tocotronic: Prelistening zu "Wie wir leben wollen"

Tocotronic: Prelistening zu "Wie wir leben wollen"

Album jetzt im Stream hören
Am 25.01.2013 veröffentlichen Tocotronic ihr mit Spannung erwartetes zehntes Album „Wie wir leben wollen“. Schon jetzt gehen die Meinung darüber weit auseinander. Kitsch auf Kalenderspruchniveau oder doch der ganz große Wurf? Mit dem Prelistening zum Album könnt ihr euch selbst ein Bild machen.
Tocotronic: Videopremiere von „Pfad der Dämmerung“

Tocotronic: Videopremiere von „Pfad der Dämmerung“

Tanz der Vampire
2013 ist für Tocotronic ein spezielles Jahr: Dirk von Lowtzow, Arne Zank, Jan Müller und Rick McPhail feiern ihr zwanzigjähriges Bestehen und veröffentlichen ihr zehntes Studioalbum „Wie wir leben wollen“. „Pfad der Dämmerung“, die erste Single daraus, sorgte Ende 2012 für Fragezeichen: Unheiliger Kitsch oder eine Tocotronic-Hymne mit langer Lebensdauer? Heute feiert das Video dazu seine Premiere.
So klang 2011

So klang 2011

Der Jahresrückblick von Sebastian Cleemann
Viel Norwegen, viel Freundschaft, viel Klagen und Jubilieren – das war 2011. Tonspion-Redakteur Sebastian Cleemann bemüht sich bei der finalen Auswertung kein Stück um objektive Kritikerhaltungen. Und so schätzen wir ihn.

Empfehlungen