Cello Sonatas

Dmitri Schostakowitsch - Cello Sonatas

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Schostakowitsch und seine Schüler
Die Musik auf dieser CD ist geprägt von den Auswirkungen der sowjetischen Kulturrevolution. Schostakowitsch, Boris Tschaikowsky und Moisey Weinberg - alle drei Komponisten fanden Wege, um die ideologischen Restriktionen herumzukomponieren.

Als Schostakowitsch 1934 seine "Sonate für Violoncello und Klavier" komponierte, war zwei Jahre zuvor der "sozialistische Realismus" zur verbindlichen Kunstdoktrin für die Literatur erklärt worden. Die KPDSU forderte damit von allen Autoren unter anderem Allgemeinverständlichkeit, Volkstümlichkeit und Orientierung am künstlerischen Erbe ein. Was das für einen freien Schöpfergeist bedeutete, kann man sich vorstellen.

Schon zwei Jahre, ehe diese Verhaltensdoktrin 1936 von Stalin und seinen Schergen mit Gewalt und Terror in sämtlichen Bereichen der Kunst durchgesetzt wurde, machte sich in den Werken Schostakowitschs wie auch anderer Komponisten die Einschüchterung eindeutig bemerkbar. In der "Cellosonate", deren langsamer Satz unser Hörbeispiel bildet, fehlen die avantgardistischen Stilmittel früherer Jahre. Allerdings war Schostakowitsch Könner genug, um versteckten Widerstand in seine Werke hineinzukomponieren. Hinter der vermeintlichen Einfachheit entdecken offene Ohren die, Stalin verhasste, impressionistische Reflexion. Zudem atmen die Stücke aus jener Zeit fatalistischen Stillstand und eine stille Verzweiflung, die das Leben in der Sowjetunion beredter als 1000 Worte in eine künstlerische Form faßt.

Mit denselben Problemen hatten auch Boris Tschaikowsky und Moisey Weinberg, die beiden anderen Komponisten auf dieser CD, über 20 Jahre später zu kämpfen, der eine als direkter Schüler Schostakowitschs, der andere stark von ihm beeinflußt. Auch deren Kammermusik für Cello und Klavier folgt vordergründig der sowjetischen Kulturdoktrin und unterläuft sie doch aufs subversivste, sobald man genauer hinschaut. Wie alle drei Komponisten unter solchen Vorzeichen noch Schönheit und ein wenig Poesie zustande brachten grenzt an ein Wunder.
(hr)

1 CD, ca. 72 Minuten

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