Karacho

Donots - Karacho

Redaktionswertung: 
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Wenn es sein muss, ganz allein

Wie erklärt man stets treuen Fans nach 20 Jahren einen Wechsel von englischen zu deutschen Texten? Am besten so, wie es die Donots tun: mit ordentlich „Karacho“.

Natürlich begreifen die Donots die langjährige Treue ihrer Fans als hohes Gut. Es geht ihnen auch nicht darum, irgendwem irgendetwas zu beweisen. Die fünf nehmen sich einfach die Freiheit, das zu tun, was wie wollen. Im 21. Bandjahr geben sie dieser Ungezwungenheit mit „Karacho“ einen neuen Namen.

Wie gut ihnen das tut, ist schon in den ersten Sekunden von „Ich mach nicht mehr mit“ zu hören: „Von jetzt an mach’ ich nicht mehr mit/ Ich geb’ meine Zukunft zurück“, brüllt Ingo Knollmann, und strotzt dabei vor Selbstbewusstsein. Das darf er auch, schließlich fordert der lyrische Wechsel zur Muttersprache großen Mut. Nach ausgiebiger Deutschpunk-Analyse ist es ihm gelungen, simple und auf den Punkt gebrachte Zeilen mit Haltung zu formulieren, in denen man sich schnurstracks wiederfindet.

„Der Dumme hängt die Flagge stets am höchsten/ Ich kann den Irrsinn nicht mehr hören (…) Wenn das hier alles ist/ Dann ohne mich“, heißt es beispielsweise im tanzbaren „Dann ohne mich“, in dem sich die fünf unmissverständlich gegen Rechts positionieren. Und auch musikalisch hat sich bei den Donots einiges getan: die britisch-melancholischen Töne des Vorgängers „Wake The Dogs“ (2012) sind räudigem und frischem Punkrock gewichen. Das klingt nicht immer hymnisch und gewaltig, sondern gerne mal unbeschwert und lässig wie in „Problem kein Problem“ oder aggressiv und hektisch wie in „Hier also weg“.

Die Donots gehen ihren Weg, ziehen den Hut vor alten Helden wie Bad Religion in „Das Ende der Welt ist längst vorbei“ und befreundeten Bands wie Pascow in „Kaputt“ und stellen sich, wenn es sein muss, wie ein Rudel „Straßenköter“ ganz alleine gegen den Rest der Welt, bevor sie im akustischen „Hansaring 2:10 Uhr“ betrunken um die Häuser ziehen, auf Bürgersteige kotzen und den längsten Weg nach Hause nehmen. „Das soll nie zu Ende gehen“, wünscht sich Knollmann, und man möchte es ihm gleich tun und die Zeit anhalten. Ja, das hier kann ewig weiter gehen.

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