Views

Drake - Views

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Hip-Hop 2.0

"Views" ist draußen und Superstar Drake hat mit diesem Album nicht weniger als dem Hip-Hop neue Pforten geöffnet. Doch eine Frage darf erlaubt sein: Ist das, was Drake da macht überhaupt noch Hip-Hop?

In den USA gilt der Kanadier als einer der Superstars überhaupt. Bei uns? Wird er zwar wahrgenommen, die große Menge interessiert es aber kaum, dass Drake mit "Views" wohl eine der wegweisendsten Platten des Jahres veröffentlicht hat. Und das nicht zwingend aufgrund einer gravierend höher liegenden Messlatte, was Rhythmik, Songstruktur oder - allgemein gesagt - Musikalität angeht.

"Views" wird auch nicht das zukünftige Musikbusiness in seinen Grundfesten erschüttern, aber dem US-amerikanischen Hip-Hop hat Drake einen Richtungswechsel verpasst, der seine Spuren schon deutlich zeigt und in Zukunft noch deutlicher zeigen könnte.

Zwar schreiben Medien ihm schon zu, "Hip-Hop beendet zu haben". Solche Überschriften sind Klickhascherei und werden dieser vielgefächterten Subkultur nicht im geringsten Maße gerecht. Wer einem Album einem Künstler zuschreiben will, mit 20 Songs eine ganze Subkultur beendet zu haben, sollte in die ein oder andere Nachhilfestunde in Geschichte des Hip-Hop investieren. Beendet hat Drake gar nichts. Aber er ändert das Spiel.

Auf dem Cover zu "Views" sitzt er auf dem Wahrzeichen seiner Heimatstadt: dem CN-Tower von Toronto - blickt in die Ferne. Hat seine City im Blick. Ein imposantes Bild, das aber irgendwie so gar nicht zur Introvertiertheit der Message darauf passen will.

Hip-Hop, diese Männerdomäne wird mehr und mehr von fantastischen alten (Missy Elliott) und auch neuen Künstlerinnen (Little Simz) durchmixt. Das ist gut so. Und Drake öffnet nun diese Domäne, in der es viel um Existenzialismus, Stärke und Macht geht, einem Einfluss, der Popmusik zum Massenphänomen verhilft: Emotionen, Gefühl und das innere Seelenleben.

Summer Sixteen von michaelwilliams0303

Plötzlich ist es kein Problem mehr darüber zu rappen, dass auch die Jungs mit den fetten Goldketten Zweifel haben können, schwache Momente, in denen sie von Gefühlen übermannt werden und verletzlich wirken. Und kaum zeigt ein selbsternannter Rapper Gefühle, da spekulieren wiederum andere ob wir hier den nächsten Justin Bieber im Ohr haben.

Dabei unterlegt er Songs wie "9" mit so sattem Bass, dass Underworld die Kinnlade runterklappen würde. Neben den Hip-Hop spezifischen Strukturen sind wie in "Too Good" oft lateinamerikanische Einflüsse zu hören. Die Nummer mit Rihanna ist eines von vielen Highlights, die "Views" zu bieten hat.

Zwar rappt Drake stellenweise noch ("Grammys"),  aus vokalischer Sicht "zwingt" sich Drake mehr zu singen als in Sprechgesang zu verfallen. Das hat er schon auf dem Vorgänger "If You Are Reading This, It's Too Late" getan. Und hat damit schon glorreiche Mitstreiter wie The Weeknd gefunden. Die vor einigen Jahren begonnene Transformation vom Rap- zum Popstar scheint abgeschlossen.

In seiner Gesamtheit sind die zwanzig Songs musikalisch gesehen nicht das Maß aller Dinge. Wir sind hier aber Zeuge, wie ein Künstler dabei ist, eine riesige Szene zu verändern, sie mehr in Richtung Pop zu schubsen, sie ein wenig geifbarer, menschlicher, und damit für viele damit wohl auch leichter verständlich zu machen.

Das Album ist aktuell nur via Apple Music (Stream) und iTunes (Download) zu haben. 

Trackliste: Drake - Views

01 Keep the family close
02 9
03 U with me?
04 Feel no ways
05 Hype
06 Weston Road Flows
07 Redemption
08 With you
09 Faithful feat. Pimp C
10 Still here
11 Controlla
12 One dance feat. Wizkid & Kyla
13 Grammys feat. Future
14 Childs play
15 Pop Style
16 Too good feat. Rihanna
17 Summers over interlude
18 Fire & Desire
19 Views

Bonus:

20 Hotline Bling

Download & Stream: 

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