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Rapunderdog

eRRdeKa - Rapunderdog

Label: 
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Alphamännchen

"Fuck your label", fordert uns schon im Intro von eRRdeKas zweitem Studioalbum "Rapunderdog" eine verzerrte Computerstimme auf, und dann bitte auch noch gleich alles um dich herum. Der Kurs ist klar: Diesmal wird gebattelt.

eRRdeKa ist auf Krawall gebürstet und erinnert auf dem neuen Album, das ursprünglich als Mixtape geplant war, an einen jungen Prinz Porno - eigentlich passend, ist doch ebendiese Berliner Rap-Legende seit einiger Zeit eine Art Mentor für den Augsburger.

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Auf dem Debüt "Paradies", erschienen letzten Herbst, hörte man das noch nicht unbedingt. Da ging's eher melancholisch-tiefgründig zu, wenn überhaupt eher Pi als Porno, Vergleiche mit Casper lagen nahe und müssen eRRdeKa irgendwann gewaltig auf den Sack gegangen sein.

Jedenfalls ist er wütend, und das schlägt sich auch im Sound nieder: Der basiert auf klassischem 90er-Boombap und ist mit polternden Drums, scheppernden Beats und hier und da eingestreuten Schusseffekten insgesamt um einiges rougher als der melodische, musikalisch dichte und vielschichtige Erstling.

Video: eRRdeKa - "Rapunderdog"

Auch inhaltlich geht's ans Eingemachte: "Ich geb' einen Scheiß auf die Industrie", informiert uns die unfreundliche Computerstimme wieder in "Maxxximal", "Keiner hier hat Bock auf deinen Backpack-Rap", behauptet eRRdeKa in "Unter Deck", "Du klingst, als ob du Sand in deiner Mumu hast", giftet er in "Trips en masse".

Wer da genau gedisst werden soll? Weiß man nicht, auf der ganzen Platte werden nämlich leider strikt keine Namen gedroppt. Die Punchlines werden ihr Ziel wohl auch so erreichen, muss sich eRRdeKa gedacht haben.

Video: eRRdeKa - "Unter Deck"

Komplett ist die Wandlung vom Poeten zum Rüpel allerdings nicht, einige Berührungspunkte mit "Paradies" gibt es durchaus: die Drogenthematik zum Beispiel, die sich auch auf "Rapunderdog" wieder in mehreren Tracks niederschlägt. Seine Jungs seien "fresh bis zum Tod mit dem Kopf voller Coke", erklärt uns der 24-Jährige beispielsweise auf "Kaputt aber dope" über einem Sample von - ausgerechnet! - Caspers "Hinterland". Neuerdings also auch im Rausch eher dicke Hose als Introspektive.

Video: eRRdeKa - "Kaputt aber dope / Rapgott"

Alles in allem ist "Rapunderdog" ein unterhaltsames Zweitwerk, das technisch einwandfrei Zeugnis über eRRdeKas Spitting-Talente ablegt und mit der ein oder anderen starken Punchline aufwartet, dem man seinen eigentlichen Mixtape-Charakter aber dann doch etwas zu sehr anmerkt - anhand von limitiertem Themenspektrum und ebenso limitierter musikalischer Umsetzung etwa.

Folgerichtig stehen dem Bayern die beiden deeperen Tracks "Zu spät" mit Feature von Prinz Porno und "Durch die Nacht" mit Showdown-Newcomer Shawn The Savage Kid im Vergleich dann doch einen Tick besser als das neu entdeckte Alphamännchen-Gehabe.

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