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Die Tagebücher des W.A. Mozart

Eugen Egner - Die Tagebücher des W.A. Mozart

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Fiktive Tagebücher à la "Amadeus"

Vergeßt alles, was ihr über Mozart zu wissen glaubt! "Amadeus" war schon ein guter Anfang, aber der "Meister aller Meister" (Friedrich Gulda) bietet, z.B. in seinen Briefen, noch Raum für eine viel skurillere Darstellung seines Lebens.

Eugen Egner, der 2003 mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor ausgezeichnet wurde, hat Mozarts fiktive Tagebücher geschrieben. Darin spielt er auf höchst vergnügliche Weise mit den Mozart-Klischees, die sich seit Milos Formans Filmepos "Amadeus" und dem zugrundeliegenden Theaterstück von Peter Shaffer immer mehr etabliert haben. Doch Egner dreht die Skurilitätsschraube noch weit mehr an - vor allem, was den drolligen Salzburger Dialekt betrifft, mit dem Kabarettmeister Herbert Feuerstein das Traktat kongenial zu Gehör bringt.

Daß man aus Mozarts Eigenheiten und aus vielen Aspekten seines Lebens, etwa aus seinen Trunk- und Sexeskapaden, eine Mordsgaudi machen kann ist zwar hinlänglich bekannt und somit etwas abgegriffen, aber nichts destotrotz erstens höchst vergnüglich und zweitens vor allem durch Mozart selbst auch ausreichend belegt. Aus Briefen des Meisters weiß man nämlich, daß der geniale Komponist, mit Verlaub, eine ausgemachte Sau war. Seine drastischen Sexzoten und teilweise beißend intelligenten Seitenhiebe auf Honoratioren machen vor nichts halt und können sogar heute noch schocken.

Da hat man natürlich mit Herbert Feuerstein gerade den richtigen Vorleser aus dem Hut gezaubert. Der ehemalige MAD-Chefredakteur und "Schmidteinander"-Mastermind ist nicht nur ein sprachlicher Humorgenius, sondern auch ein am Salzburger Mozarttheum studierter Musikus und großer Mozartkenner, was er auch in seinen Linernotes zur CD unter Beweis stellt. Im Hörbeispiel "Die Reifejahre" vereint er seinen Sinn für Mozart und Musik wunderbar mit seinem Talent für beißenden Spott und sprachliche Komik.

Wie sagte doch Mozart einst so schön: "Scheiß` ins Bett daß`s kracht!" (Zitat)

1 CD, ca 57 Minuten