Black Earth

Fazil Say - Black Earth

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Multitalent zwischen allen Stühlen
Auf "Black Earth" erweist sich Fazil Say, einer der besten jungen Pianisten weltweit, auch als ernstzunehmender Komponist, der Elemente aus Volksmusik und Jazz ebenso aufgreift, wie Vorbilder aus Klassik und Moderne.

"Black Earth" von 1997, der Titeltrack dieser CD und unser Hörbeispiel, ist inspiriert von einem Song des in seiner Heimat sehr populären, blinden türkischen Chansoniers und Dichters Asik Veysel. Der Text dieses Liedes kreist um die Verzweiflung nach dem Verlust eines geliebten Menschen, welcher nichts übrig läßt außer Einsamkeit und das blanke Leben auf einer "schwarzen Erde". Fazil Say imitiert auf dem Klavier den Klang einer traditionellen türkischen Saz, seine Komposition setzt die vorgegebene Düsternis adäquat um und verbindet Elemente aus Jazz, türkischer Folklore und traditioneller Musik zu einer relativ stimmigen Mixtur, die an den Sound einiger artverwandter ECM-Produktionen denken läßt. Der türkische Ausnahmepianist spielt dieses Stück sowohl in klassischen Konzerten als auch auf Jazzfestivals, was allein schon einiges über ihn aussagt.

Neben diesem Stück bietet die CD sehr verschiedene Kompositionen Says aus den Jahren 1994 bis 2001. Für die Interpretation der ebenfalls stark von türkischen Einflüßen geprägten "Sonate für Violine und Klavier" von 1997 hat Fazil Say in dem auf Tonspion bereits bekannten Geiger Laurent Korcia (siehe "Café 1930" von Astor Piazolla) einen kongenialen Partner gefunden, der wie er extrem expressiv und ohne Netz und doppelten Boden musiziert. Weiter gibt es noch das "Klavierkonzert" von 2001, für dessen Weltersteinspielung der bedeutende Dirigent Eliahu Inbal gewonnen wurde und "Dervish in Manhattan", ein reines Jazzstück, das im Stil einer Jamsession Sufiklänge mit Swing kombiniert.

Fazil Say liebt es, exzessiv zu konzertieren, genauso zu leben und in der Musik wie auch sonst alles auszuprobieren. Aus dieser Haltung ist ihm schon in jungen Jahren ein unverwechselbarer Stil erwachsen, geprägt von Leidenschaftlichkeit und Ausdrucksstärke, aber auch von einem enormen Sinn für Klangschönheit und zarte Melancholie. Dieser Stil, der für den Interpreten schon ein weltweites Markenzeichen ist, bestimmt auch seine Kompositionen. Seine Werke sind keine trockene, kalte, analytische, kurz: unhörbare Moderne, sondern einfach schöne und sehr interessante Musik.

1 CD, ca. 54 Minuten

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