Foxygen / "Hang"

Foxygen - Hang

Label: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
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sehr schön
herausragend
Hippies of Broadway

Wer Foxygen angesichts ihres Werkes und ihres Auftretens Ironie zum Selbstzweck unterstellt, muss dringend umdenken. Die beiden Kalifornier meinen ihren herrlich überdrehten Zirkus schon ernst. Diesmal führt der Weg zum Glück über eine große, glitzernde Showtreppe.

Foxygen zitieren das Absurde niemals um es lächerlich zu machen, sondern um es zu feiern. Alles Gewöhnliche ist ihnen zuwider. Das muss man wissen, um sich im neuen Album nicht völlig zu verlieren. Natürlich auch, um diese Band angemessen würdigen zu können.

Im Fahrwasser von MGMT veröffentlichten Foxygen bislang vier Alben, für die sie sich nicht weniger als viermal neu erfanden. Nach dem monströsen Doppel-Konzeptalbum „…And Star Power“ (2014) geben sie sich auf dem neuen Album vergleichsweise zugänglich. Forderten sie auf ihrem Debüt noch „Take The Kids Off Broadway“, geht es nun genau hierhin zurück - und zwar mit großer Entourage: ein 40-köpfiges Orchester verleiht dem Album den Glanz vergangener Zeiten.

Aufgenommen wurde in den legendären Spacebomb Studios und unter Zuhilfenahme des Hausherren Matthew E. White sowie illuster Gäste von Steven Drozd (The Flaming Lips) bis zu den D’Addario-Brüdern (The Lemon Twigs).

Sam France und Jonathan Rado bedienen sich im Musikfundus der Jahrzehnte wie Kinder in einem Süßwarenladen und kennen weder Scheu noch Scham. Sie huldigen Bowie, Abba, großen Motown-Klassikern und alten Hollywood-Musicals. Die Kurve vorbei am Kitsch schaffen sie hier nicht immer ganz ohne Blechschaden, aber am Ende stehen zwei strahlende Sieger in ihrer ganz eigenen, ebenso schillernden wie packenden Revue. Und die ist, bei allem Glitter, zum Glück stets näher am „Little Shop Of Horrors“ als an Disneys klebriger Zuckerwatte.  

Foxygen sind bizarr wie die Flaming Lips, bunt wie MGMT und visionär wie Tame Impala. Eigentlich müsste diese fantastische Band der Platzhirsch der Szene sein. Stattdessen schlittern sie derart regelmäßig am (ganz) großen Durchbruch vorbei, dass man wohl von Absicht ausgehen muss. Songwritern ihres Formates wäre es sicherlich ein Leichtes, den ultimativen Hit abzuliefern und vielleicht haben sie ihn auch längst in der Schublade. Dass wir ihn je zu hören bekommen, darf bezweifelt werden: ohne demonstrative Verweigerungshaltung läuft bei Foxygen einfach nichts. Die künstlerische Vision hat immer Vorrang und wer sich hindurch kämpft, wird reich belohnt. Das gilt auch für das neue Album.

„Hang“ rückt nach den teilweise sperrigen Experimenten der Vergangenheit wieder klassische Songstrukturen in den Mittelpunkt, ohne dabei den überdrehten Charme zu verlieren. Das Album besitzt Witz und Glamour und will trotzdem nicht um jeden Preis gefallen. Ganz die Papas, könnte man sagen.

Live:

23.2.17 - Berlin - C-Club

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