Schubert Piano Works Vol.1

Franz Schubert - Schubert Piano Works Vol.1

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Wahrhaft große Klaviermusik
Zwei Schlüsselwerke des bedeutendsten Klavierkomponisten nach Beethoven (trotz Chopin!) in einer fast perfekten, auf jeden Fall aber sehr tiefsinnigen und berührenden Einspielung von Meisterpianist Gerhard Oppitz.

Der hochberühmte Pianist Gerhard Oppitz trifft für einige Sätze auf der vorliegenden CD recht seltsame Entscheidungen, was die gängigen Wiederholungen einzelner Partien, bzw. das Weglassen derselben betrifft. Weshalb es für die Platte nur 5 statt 6 Sterne gibt. Dennoch haben wir es mit einem Schubert-Interpreten höchster Ordnung und einer CD zu tun, die zwei der schönsten Klavierstücke des Wiener Klassikers und Wegbereiters der Romantik Franz Schubert enthält: Die "Klaviersonate G-Dur D 894" die "Drei Klavierstücke aus dem Nachlass D 946", deren erstes unser Hörbeispiel bildet.

Hier kann man alles erleben, was Schuberts Klaviermusik so einzigartig macht: Gedrängte, glutvoll düstere Allegropassagen wechseln sich frei variiert mit unendlich traurigen, dabei aber auf demütige Art und Weise auch heroischen Partien ab, die zwar letztlich nie "obsiegen", aber im Herzen vor allem anderen haften bleiben. Die Welt wie sie ist, wird der Sehnsucht nach dem, was sie nicht ist, aber sein könnte, kunstvoll gegenübergestellt. Dass derartige Konzepte dem Pianisten nicht fremd sind, mögen sie auch von noch so vielen Musikwissenschaftlern als Unfug abgetan werden, hört man jedem Ton an.

Gerhard Oppitz gestaltet den Übergang vom ersten Teil von "D 946" zum melancholischen Seitenthema, welches das Herzstück dieser Klavierphantasie aus dem Nachlass Schuberts bildet, sehr getragen und mit kunstvollen Rubati. Ein sehr wichtiges und - leider - selten gewordenes musikalisches Gestaltungsmittel, das in kundigen Händen den Ausdruck enorm steigert und ein "philosophisches" Musizieren befördert.

Der Begriff Rubato bezeichnet kaum merkbare Tempoverschleppungen bzw. -verschärfungen, die den steten Rhythmus eines Stückes zwar "gefährden", ohne ihn aber zu zerbrechen, und die dem ganzen Vortrag eine kraftvolle Lebendigkeit einhauchen; wichtigstes Gestaltungsmerkmal eines Musizierens im romantischen Sinne, wie es bis zum 2. Weltkrieg gang und gäbe war - das heute allerdings oft (sehr zu Unrecht!) als unpräzise abgelehnt wird.

1 CD, ca. 64 Minuten

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