Chopin

Frédéric Chopin - Chopin

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Der heimliche Jahrhundertkünstler
Es gibt große Stars am Klavier. Und dann gibt es die wenigen Ausnahmekünstler, die unter dem Radar fliegen, sich einen Dreck um Ruhm, Marketing und Plattenverträge scheren und nur für ihre Musik leben. So einer ist Grigory Sokolov.

Grigory Sikolov macht keine Plattenaufnahmen. Die wenigen existierenden Dokumente seiner Kunst sind allesamt live entstanden, in Konzerten. Aber auch davon hat er seit Jahren keine mehr freigegeben. Sokolov ist musikalisch ein Besessener, der jedem Ton bis ins Letzte nachspürt, der jede noch so kleine mögliche Nuance an Ausdruck und Tiefe, die in einem Musikstück stecken, verwirklicht, also hörbar macht. Seine profunde Technik und absolute Kontrolle am Klavier dienen nicht einem virtuosen Vortrag, sondern der Reise in die Grenzbereiche dessen, was Musik vermitteln kann. Ein Konzert von Grigory Sokolov kann eine spirituelle Erfahrung sein.

Soviel Intensität hat ihren Preis. Es gibt immer wieder Gerüchte, der scheue, 1950 geborene Russe leide an Alkoholismus, oder er sei ein unverbesserlicher Misanthroph. Das mag stimmen oder nicht. Dem Aussehen und der Ausstrahlung am Klavier darf man sich Sokolov als einen heißen Kandidaten für die Hauptrolle in einem Beethovenfilm vorstellen - und zwar im besten Sinne, denn er ist genauso kompromisslos, eigen- und tiefsinnig. Wahrscheinlich ist Grigory Sokolov einer der wenigen Menschen, in deren innerer Welt nur Dinge wie Können, Erkenntnis und Leidenschaft für das gewählte Sujet zählen. Die Handvoll Interviews, die er in vierzig Jahren Karriere gegeben hat, legen das jedenfalls nahe.

Unser Hörbeispiel präsentiert mit dem langsamen Satz aus Frédéric Chopins 2. Klaviersonate, dem sogenannten Trauermarsch, eines der zentralen Stücke der Klavierliteratur. Wer das Stück schon kennt, der verlasse sich auf folgendes: Er kennt es nicht! Nicht so todesversessen, nicht so trotzig im Angesicht des Vergänglichen, nicht so durchdrungen von poetischer, stiller Hoffnung wie in der Interpretation Grigory Sokolovs.

Aus vollem Herzen und aus dem Glück heraus, es selbst erlebt zu haben, kann dieser Autor nur jedem, der Musik liebt, den Besuch eines Konzertes von Grigory Sokolov ans Herz legen, wo immer sich die Möglichkeit ergibt.

1 CD, ca. 59 Minuten

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