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What time does your train leave today?

Gaston - What time does your train leave today?

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Der Turmbau zu Babelsberg

Man stelle sich vor, fünf schöne Geister reden hitzig aufeinander ein. Die Argumente kullern wie Glasperlen, doch es ist kaum ein vollständiger Satz zu entziffern. Dann kommen sie unversehens überein - und plötzlich verstehen wir jedes Wort.

Obwohl die Berliner Band Gaston instrumentale Musik spielt, könnte man fast meinen, ihre Stücke seien Sinnbilder für Demokratie und Dialektik, denn die Klanglandschaft besteht aus verhuschten Fragmenten, die erst im Austausch zu sich selbst finden. Die Instrumente sind Teilchen, die sich melodienreich anziehen und abstoßen. Je nachdem, welches Element aussetzt, bringt es die übrigen wie in einem harmonischen Kaleidoskop dazu, wieder eine neue Seite ihrer selbst zu offenbaren. Die spröde Schönheit der frühen Tortoise bildet dabei das Fundament, während die zerfaserten Bilder der späten Don Caballero sich Stockwerk für Stockwerk stapeln. Auch in „Hanjin“ entwerfen Gaston eine gewagte Architektur: Ohne lange Vorrede gestaltet sich ein unüberschaubar kleinteiliges Geschehen. Ein Feedback leitet die erste, warm leuchtende Wendung ein. Der weitere Verlauf ist Verdichtung und Beschleunigung, Einsatz und Abbruch, bevor der Schluss mit einer schlichten, harmonischen Auflösung in kristallklarer Rhetorik spricht. „Hanjin“ ist kein Kartenhaus, sondern ein imposantes Gebilde – wie auch Gastons gesamter Debutkoloss “What time does your train leave today?”, der ans Herz all derer gelegt sei, die Komplexität nicht fürchten. Vielleicht sollte abschließend noch erwähnt werden, dass Gaston gar nicht aus Babelsberg (eher schon aus Prenzelberg) kommen. Aber Pointen kriegt man schließlich nicht geschenkt.(as)

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