Und wer zahlt`s?

Gerhard Polt - Und wer zahlt`s?

Label: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Der gscherte bayerische Hundskrüppel als tödliche Satirewaffe
1979 nannte ihn eine berühmte Kritik einen "erstklassigen Leutebeobachter, der das bayerisch verzinkte Hochdeutsch wie ein Rasiermesser benutzen kann“. Bissig, querköpfig und den Unsinn des engstirnigen Kleinbürgers entlarvend ist Gerhard Polt noch immer.

Das hat Tradition: Schon der legendäre Karl Valentin nutzte in den dreißiger Jahren die unverwechselbar verquere Bärbeißigkeit des Bayerischen, um ein extrascharfes Messer in sämtliche Wunden der Widersinnigkeit beim kleinen Mann auf der Straße zu stoßen: Auf dem Nährboden von Gleichgültigkeit und Engstirnigkeit, latenter Fremdenfeindlichkeit, Geiz und Gier gedeihen moderne Übel ebenso gut wie historische - Gerhard Polt gehen die Themen niemals aus. Wenn man die spezielle verquaste Ewiggestrigkeit des typischen Bayern auf aktuelle Themen wie Bildung (unser Hörbeispiel) oder Toleranz anwendet, dann kann einem schon schlecht werden!

Aber Polt wäre nicht Polt, würde man sich nicht gleichzeitig schieflachen und im nächsten Moment betroffen sein, worüber man lacht. Beispiel gefällig? "Der Deutsche kugelt heute in der Schule herum, jahrzehntelang, bis er 30 Jahre alt ist, und mit 45 hat er dann einen Herzinfarkt. Also, so geht`s nicht! Sehen Sie, da ist der Asiate wesentlich freier: In Asien kann ein Kind heute ab 7 Jahren schon 14 Stunden arbeiten."

Was Polt formuliert ist genau beobachtet, das kann man jeden Tag in der Münchner S-Bahn hören. "Wir brauchen in Bayern keine Opposition - wir haben schon eine Demokratie!", ist eine seiner schönsten Stilblüten. Und die zehnminütige Brandrede eines bayerischen Landwirts wider die fortgesetzte Naturzerstörung beschließt er mit den Worten: "Da muss doch endlich einmal etwas passieren! Und das ist der Grund - und deswegen wähle ich auch dieses Mal wieder die CSU!" Nicht umsonst kam eine seiner schönsten Auszeichnungen direkt von der bayerischen Staatsregierung, nachdem er im „Scheibenwischer“ mit einer ebenso bissigen wie brillanten Glosse gegen den Rhein-Main-Donau-Kanals zu Felde gezogen war. Man verwahrte sich damals gegen Polts „verleumderische und bösartige Ehrabschneidung“.

1 CD, ca. 68 Minuten

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Empfehlungen