Carissimi: Virtuoso Soprano Motets

Giacomo Carissimi - Carissimi: Virtuoso Soprano Motets

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Arien für männlichen (!) Sopran
Kirchenmusik war im barocken Rom ein heißes Politikum. Und es war somit natürlich undenkbar, dass Kompositionen, die hitzige religiöse Exstase zum Ausdruck brachten, von Frauen aufgeführt wurden. Entsprechend hatten die Kastraten Hochkonjunktur.

Es dürfte wohl das kleinste Vokalfach überhaupt sein: Als Sopranisten bezeichnet man Countertenöre, die mittels Falsett (also des Einsatzes ihrer Kopfstimme - da es ja heute keine echten Kastraten mehr gibt) nicht nur die Tonlage der weiblichen Altstimme, sondern sogar den vollen Umfang des Soprans erreichen. Der Amerikaner Robert Crowe ist einer davon.

Giacomo Carissimi (1605-1674) arbeitete in relativ bescheidenen Anstellungen als Kapellmeister in Assisi und Rom. Dennoch war er ein maßgeblicher Neuerer der Musik seiner Zeit: Er nahm erheblichen Einfluß auf die Entwicklung von Arie, Duett und Rezitativ in geistlichen und weltlichen Kantaten und erfand unter anderem die erst später zur Entfaltung gelangende Form des biblischen Oratoriums. In Carissimis Wirkungszeit in Rom fällt ein generelles Auftrittsverbot für weibliche Sänger, erlassen und aufrecht erhalten durch eine Reihe von selbst für ihre Zeit außergewöhnlich sittenstrengen Päpsten. Entsprechend hatten die Kastraten damals Hochkonjunktur - denn selbstverständlich wollte kein Komponist auf "weibliche" Stimmen verzichten, auch nicht in der Kirchenmusik.

Unser Hörbeispiel, die Solomotette "Adeste mortalis", gehört zum Spätwerk des Giacomo Carissimis. Die Länge und Komplexität dieser und einiger anderer seiner Motetten war derart außergewöhnlich und extravagant - und somit höchst suspekt! - dass zwei weitere päpstliche Musikbullen verfaßt wurden, die speziell auf Carissimis Kompositionen abzielten und verfügten, dass diese nur in einer einzigen Kirche Roms, in S. Apollinare, zur Aufführung gelangen durften.

1 CD, ca. 65 Minuten

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