Headquarter Delirium

Giovanni Ferrario - Headquarter Delirium

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Unverkrampfter Solo-Ausflug
Was im musikalischen Untergrund Italiens alles abgeht, bekommt man hierzulande nur peripher mit. Nun sickert der Alleingang eines gewissen Giovanni Ferrario ans Tageslicht, an dem auch PJ Harvey bereits Gefallen gefunden hat.

Um es vorwegzunehmen: hier klingt nichts nach Ramazotti, Di Miró oder Nannini. Das einzige, was auf diesem Album italienisch klingt, ist der Name des Erzeugers: Giovanni Ferrario. Ihm wird nachgesagt, eine Kultfigur der italienischen Untergrundszene zu sein – mag sein, in unseren Gefilden ist der Songwriter, Gitarrist und Produzent nur dem Kenner ein beschriebenes Blatt.

Es ist Ferrarios erster Ausflug auf Solopfaden, denn als Mastermind seiner Band Micevice und als Produzent diverser italienischer Indiebands hat er sich niemals völlig allein austoben können. Auf „Headquarter Delirium“ hat er nun aber über einen längeren Zeitraum erstmals (fast) alles allein eingespielt, arrangiert und dabei in seiner musikalischen Sozialisation herumgestöbert.

Bunt und durchwachsen sind die knapp siebzig Minuten geworden. Folkiges, Psychedelisches, Handgemachtes, Rockiges und Zuckerpopsüßes ist hier herangewachsen. Giovanni blickt mit seinen Songs in die 60er- und 70er-Jahre zurück und klingt dabei so, als wolle er mit diesem Solo-Ausblick niemandem etwas beweisen. Das wiederum macht dieses Album angenehm unaufgesetzt und unverkrampft. Kein Wunder also, dass sich PJ Harvey diese Kultfigur des italienischen Untergrunds an die Gitarre ihres neuen Albums wünschte.

Björn Bauermeister / Tonspion.de

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