Get It Back

Hanin Elias - Get It Back

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Klatschspaltenstoff fürs Digital-Hardcore-Fanzine: Hanin Elias, Gründungsmitglied von Atari Teenage Riot, ist beim Comeback der Band nicht dabei. Sie könne und wolle nicht mehr so schreien, teilt ATR-Chef Alec Empire mit. Doch fast zeitgleich erscheint Elias' eigenes Comeback, ein Soloalbum, das laut und deutlich "Blödsinn" schreit.

Denn schreien kann sie noch immer, sie tut es noch immer, und sie lässt sich noch immer gern vom rhythmischen Lärm tragen. Digitale Verzerrung, scharf attackierende Industriegitarren, sattes Amen-Break-Gewitter finden sich auf "Get It Back" an ihren gewohnten Orten. Die Zeilen, die sie für die Atari-Teenage-Riot-Comeback-Single "Activate" vorgesehen hatte, fügen sich auch in "Axis Shifting" bestens ein, die politischen Liedessays erklären deutlich den Unterschied zwischen schwarz und weiß, und - Satzklassiker - wer Digital Hardcore mag, wird diesem Album einiges abgewinnen können.

Vor allem in zwei Punkten hebt sich Hanin Elias' Solorückkehr von der ihrer Ex-Band jedoch deutlich ab. Zum einen wirkt "Get It Back", anders als das kontrolliert wüste "Is This Hyperreal?", insgesamt zusammengeschustert, wie eine schnelle Trotzreaktion auf den Comebackausschluss. Das deuten die verschiedenen Remixe und Neuinterpretationen alter Hanin-Elias-Stücke ebenso an wie die recht abrupten und provisorisch wirkenden Stilsprüngen zwischen einzelnen Stücken.

Zum anderen aber wird "Get It Back" gerade durch diese Brüche wesentlich spannender als der stumpfe Comebackbrocken Atari Teenage Riots. Dazu ermöglichen die krassen Stilwechsel unerwartete Glanzstücke im digitalen Gewitter. So verwandelt sich vor allem das zunächst völlig deplatziert wirkende "I Want You", das Hanin Elias im zarten Zusammenspiel mit der tahitianischen Band Tikahiri zeigt, in das Herz des Albums. Es pumpt den Postkarten aus der Vergangenheit, den aktuellen Rasereien und den Verweisen auf Zukunftsmusiken Blut und Seele zu, und macht aus zerrissenem Stückwerk ein launenhaftes Ganzes.

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