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Lies

Heartbreak - Lies

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Wohlige Schauer in der Retrohölle

Wer dachte, die 80er hätten sich erledigt, irrt, das Jahrzehnt der kollektiven Verklärung zuckt noch. Das argentinisch-britische Duo Heartbreak verdichtet die synthetische Seite der 80s in zehn „Lies“, die so Retro sind, dass es fast schon weh tut.

Heartbreak gehen volles Risiko, totale Ablehnung einkalkuliert. Wer die 80er für das Jahrzehnt des Weichspül-Pop gehalten hat, darf sich seine Ressentiments - von Heartbreak fürs Jetzt fit gemacht - erneut vorführen lassen. Ali Renault und Sänger Sebastian Muravchik lassen Camp hochleben: von der schmalen Lederkrawatte bis zu Bohlens "Modern Talking"-Faust resoniert in ihren Synthie-Popsongs die komplette schreckliche Seite der New Wave. Muravchiks Gesang oszilliert dabei zwischen nervtötendem und grundrichtigem Pathos.

Schwarz oder weiß lassen Heartbreak nicht zu, beides existiert gleichzeitig, vermischt sich aber nicht zu ödem Grau, sondern hebt sich scharfkantig voneinander ab. Selbst das Ironieargument läuft hier ins Leere, zu ernst intoniert Muravchik seine Textzeilen, lässt Renault die Synthies aufstöhnen. "Living just for fun, there´s no way to resist" heißt es da am Ende und man rezipiert mit wohligem Schau(d)ern Heartbreaks fortwährenden Verletzungen des guten Geschmacks. Eine Kontroverse in zehn Akten.

Florian Schneider / Tonspion.de

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