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Sinfonie Nr. 3 "Sinfonie der Klagelieder"

Henryk Górecki - Sinfonie Nr. 3 "Sinfonie der Klagelieder"

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R.I.P. Henryk Górecki

Kein nach dem 2. Weltkrieg komponiertes Werk war so erfolgreich wie Goreckis 3. Sinfonie. Die Ersteinspielung verkaufte sich seit 1992 über eine Million mal. Ihre Klangwelt war zum Zeitpunkt der Komposition 1976 mit nichts vergleichbar. Am 12.11.2010 ist Henryk Górecki im Alter von 76 Jahren gestorben.

Die "Sinfonie der Klagelieder" hält vor allem im 2. Satz, unserem Hörbeispiel, geradezu himmlische Klänge bereit. Die enorme Schönheit dieses schlichten Chorals für Sopran und Orchester war sicher hauptverantwortlich für den Riesenhit, der von niemandem prognostiziert und schon gar nicht angestrebt worden war.

Der stets zurückgezogen lebende und arbeitende polnische Komponist Górecki riskierte nichts weniger als Obskurität, als er ab Mitte der 60er Jahre der Musiksprache der westlichen Avantgarde den Rücken kehrte um eigene, im Rahmen der Entwicklung der Musikgeschichte rückwärtsgewandte, Wege zu gehen. Das bedeutete Rückkehr zur Tonalität und Rückkehr zum Schöpfen aus alter Musiktradition, sprich: aus dem Fundus von Kirchenmusik, Volksmelodien und klassischen Vorbildern.

Höhepunkt dieser Entwicklung war 1976 die "Sinfonie der Klagelieder", ein groß angelegtes, aus drei langsamen Sätzen für Sopran und Orchester bestehendes Werk von fast einer Stunde Dauer. Die Musik ist frei von jeder überflüssigen Geste oder Verzierung und erreicht mit ihrer breiten und getragenen sinfonischen Entwicklung eine ungeheure Ausdrucksstärke.

Zum Kern der musikalischen Aussage führen uns die vertonten Texte. Jeder behandelt die Auseinandersetzung einer Frau mit dem Tod, jeweils in einem spezifisch polnischen Kontext. Den Text im 2. Satz, dessen Musik uns so leicht zum reinen Musikgenuß verführt, hat eine 18-jährige an die Zellenwand eines Gefängnisses der Gestapo gekritzelt. Mit seiner musikalischen Behandlung solcher Texte wollte Gorecki die reine Häßlichkeit von Tod und Krieg, die einfach nachzuzeichnen er sich weigerte, überwinden und stattdessen ihre Auflösung in der Kontemplation finden.

Die vorliegende Neueinspielung bietet eine ausgezeichnete Klangqualität und genau die richtige Mischung aus Intensität und Zurückhaltung im Ausdruck.

1 CD, ca. 64 Minuten

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