Hildegard von Bingen: Celestial Harmonies

Hildegard von Bingen - Hildegard von Bingen: Celestial Harmonies

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Heavenly Voices
Visionäres Genie oder kapriziöse Dilettantin? An der mittlerweile wieder berühmten mittelalterlichen Komponistin Hildegard von Bingen scheiden sich die Geister - einst wie heute. Ihre Musik ist aber ohne Frage ein sinnliches Erlebnis.

Seit sie vor 25 Jahren von der musikalischen Welt der Jetztzeit wiederentdeckt wurde, hat die Musik der sagenumwobenen Äbtissin Hildegard von Bingen (* um 1098; † 1179) Kultstatus erlangt. Als zehntes Kind rheinischer Aristokraten wurde sie bereits mit acht Jahren in ein Kloster gesteckt. Den Rest ihrer 80 Lebensjahre verbrachte sie als Nonne, die Hälfte davon als Äbtissin des von ihr gegründeten Konvents auf dem Rupertsberg bei Bingen.

Dort lebten sie und zwanzig von ihr ausgewählte Nonnen vornehmer Herkunft in tiefem Glauben und sehr wohltäterlich. Allerdings wollte die Gemeinschaft dafür keineswegs auf schimmernde Juwelen und edle Gewänder verzichten, was Hildegard von Bingen immer wieder gesellschaftlichen Ärger einbrachte. Dieses Detail ist deshalb erwähnenswert, weil ein ähnlicher scheinbarer "Widerspruch" (der freilich gar keiner sein muss), damals wie heute die Rezeption ihrer Musik bestimmt.

Denn Hildegards Kompositionen drücken unbezweifelt eine tiefe Religiosität und einen glühenden Glauben an eine höhere, paradiesische Welt aus. Das geschieht allerdings kraft manchmal sehr unkonventioneller musikalischer und textlicher Ausdrucksmittel, die oft kapriziös, in einigen Fällen sogar ein wenig sprunghaft und nicht ganz stringent zuende gedacht daherkommen. Was sich, konservativ betrachtet, nicht gerade gut mit den strengen Formalismen mittelalterlicher Kirchenmusik verträgt.

Hildegards Musik überströmt geradezu vor Sinnlichkeit und Poesie, vor Originalität, vor vielfarbiger Blumigkeit. Und fasziniert ohne Wenn und Aber, auch wenn sie formaler Kritik manchmal Tür und Tor öffnet.

Die Einschätzung der "Symphonia armoniae celestium revelationum" der großen musikalischen Kollektion der Hildegard, die sie um 1150 abgeschlossen hat, schwankt immer noch: Werk eines Halbamateurs oder eines Genies? Da entscheide jeder für sich selbst. Die Frau und Künstlerin Hildegard von Bingen paßt jedenfalls so gar nicht ins überlieferte Bild einer demütigen Äbtissin des Hochmittelalters.

1 CD, ca. 74 Minuten

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