Strawinsky: Canticum Sacrum etc.

Igor Strawinsky - Strawinsky: Canticum Sacrum etc.

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Zwölftöner mit 70 Jahren
Die Musik Igor Strawinskys war immer extrem modernistisch in ihren Ausdrucksmitteln. Das änderte sich im hohen Alter keineswegs. Im Gegenteil: Mit über 70 Jahren vollzog der Exilrusse den Schritt zur Zwölftonmusik.

Der russischstämmige Komponist Igor Strawinsky (1882-1971) hat Zeit seines Lebens zur Avantgarde gehört. Seine bekanntesten Werke, die Balletmusiken zu "Der Feuervogel", "Petruschka" und "Le sacre du printemps" (ebenfalls im Tonspion vorgestellt) stammen allesamt aus den 10er Jahren des 19. Jahrhunderts. Zu ihrer Entsethungszeit stellten diese Werke die Speerspitze der Moderne dar und lösten bei ihren frühen Aufführungen häufig handfeste Theaterskandale aus.

Nach 1950, im Alter von über 70 Jahren, vollzog Igor Strawinsky die letzte und die verblüffendste von vielen stilistischen Wandlungen, denen er seine Art zu komponieren in den vergangenen Jahrzehnten unterworfen hatte: Er betrat das Territorium Arnold Schönbergs, der mit seiner Zwölftonmusik lange Jahre als sein Antipode gegolten hatte. Obwohl die beiden Komponisten in ihrem Exil in Hollywood, wo sie Nachbarn waren, jede persönliche Annäherung vermieden, näherte sich Strawinsky, auf der Suche nach Reduktion, Klarheit und Verdichtung seiner Musik an das musikalische System des Konkurrenten an.

Das sakrale Werk "Canticum Sacrum" von 1956, aus dem unser Hörbeispiel stammt, verleiht, teilweise mit den Mitteln der Zwölftonmusik, Strawinskys Rückwendung zum russisch-orthodoxen Glauben, die bereits in den 20er Jahren eingesetzt hatte, beredten Ausdruck. Das Klangbild der Komposition ist extrem asketisch gehalten und erinnert mitunter an Musik des Mittelalters, vor allem in den ausgedehnten Chorpassagen. Eine Besonderheit: Im "Canticum Sacrum" hat Strawinsky zum ersten und einzigen Mal in seiner Karriere die Orgel in eines seiner Werke einbezogen.

1 CD, ca. 58 Minuten

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