LIBERTATIA

Ja, Panik - LIBERTATIA

Label: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
One Love, One World, No Nations

"LIBERTATIA", das neue Album der Wahlberliner Ja, Panik zeigt eine Band im Umbruch: inhaltlich wie gewohnt politisch bewusst inklusive Manifest, musikalisch spielerischer und leichter als die Vorgänger.

Die Inspiration zur anarchistischen Piratenkolonie "LIBERTATIA" holten sich Ja, Panik in einem knapp vierhundert Jahre alten Buch von "Captain Charles Johnson", möglicherweise das Pseudonym von Schatzinsel-Autor Daniel Defoe.

Die Mischung aus romantischer Piratenlegende und politisch-kämpferischer Utopie gerät bei Ja, Panik zu einem Statement der Veränderung: zum Trio geschrumpft bzw. auf die Kerngruppe aus Andreas Spechtl, Stefan Pabst und Sebastian Janata reduziert, probieren die aus dem Burgenland stammenden und seit Langem in Berlin ansässigen Musiker neue Stile aus - was ihnen gut steht und auch irgendwie an der Zeit war. Nach dem letzten Album "DMD KIU LIDT" hätten Ja, Panik auch einfach mit ihrem inzwischen zum Trademark-Stil gewordenen gitarrenbetonten Indierock mit Falco-inspiriertem Gesang weitermachen können.

Die "neuen" Ja, Panik, die live von Jonas Poppe (Kissogram) und Laura Landergott unterstützt werden, feiern mit "LIBERTATIA" eine neue, bisher nicht dagewesene Leichtigkeit: die Beats federn funky, Spechtls Stimme erklingt häufig im Falsett, Pabsts Gitarrenläufe erinnern an Postpunk-Bands wie New Order, Orange Juice oder Style Council. Und meistens ist das super: sofort singt man den Refrain der Single mit ( "Wo wir sind, ist immer LIBERTATIA"), tanzt zu "Antananarivo" und winkt bei "Au Revoir" "tschüss und baba" zu einem imaginären Publikum.

Der feine, funky Flow ist genau das, was Ja, Panik fehlte - und ein Genre, in dem die Band noch nicht ganz  zu Hause ist. Die Richtung ist definiert, ein Anfang ist gemacht, das (bisherige) Ergebnis ist Übergang: tänzelnd, aber wütend.

Spechtls zitatreicher Englisch-Deutsch-Gesang klingt sanfter, weicher; Themen und Texte sind - im Vergleich zu früheren 20-minütigen Tiraden - abgespeckt und deshalb griffiger. In "ACAB" hüten sich Ja, Panik, übliche, vorhersehbar Parolen abzufeuern, sondern hauchen zärtlich "All Cats Are Beautiful"; "Dance the ECB" ist Dancefloor-Filler einerseits, Agit-Prop at its best andererseits ("zwing sie zum Tanzen!").

Dass ein, zwei Songs (vor allem im Kontrast zu den richtig Tollen) ein bisschen unentschlossen wirken, ist ein lässliches Vergehen: Ja, Panik haben den Mut, nach dem großen Hype der vergangenen Jahre neue Wege zu gehen. Auch in "LIBERTATIA" muss man sich erstmal zurecht finden.

Tourdaten:

04.02.2014 Hamburg, Uebel & Gefaehrlich

05.02.2014 Köln, Gebäude 9

06.02.2014 Frankfurt, ZOOM

07.02.2014 Stuttgart, Keller Klub

08.02.2014 CH-Zürich, Stall 6

10.02.2014 München, Strom

11.02.2014 Erlangen, E-Werk

12.02.2014 Leipzig, Conne Island

13.02.2014 Berlin, Lido

Download & Stream: 

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