On My One

Jake Bugg - On My One

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Auf eigenen Füßen

Jake Bugg hat - trotz seiner unglaublichen Karriere - den Blues. Der 21-jährige britische Singer/Songwriter arbeitet derzeit an seinem dritten Album und veröffentlicht vorab das tieftraurige "On My One". 

Einen Anlass für Trauer dürfte der junge Musiker eigentlich nicht haben. MIt 21 Jahren hat er geschafft, was die Mehrheit der Musiker in einem ganzen Leben nicht hinbekommen: er hat mit Produzentenlegende Rick Rubin gearbeitet und die Royal Albert Hall ausverkauft. Mehr geht nicht. 

Trotzdem hat Jake Bugg den Blues. Im ersten Track seines dritten Albums "On My One" bedauert der Künstler aus Nottingham, seit drei Jahren ununterbrochen "on the road" zu sein und keine Heimat mehr zu haben. Bereits seit zwei Jahren arbeitet er am Nachfolger von "Shangri-La", dieser wird wie der Song "On My One" heißen und wurde von Jake Bugg geschrieben, produziert und größtenteils auch selbst eingespielt.

Nachdem er sein letztes Album mit Produzentengott Rick Rubin aufgenommen hat, dürfte er so einiges im Studio gelernt haben. Eigentlich sollte Mike D auch einen Song mit ihm aufnehmen, doch Jake Bugg wartet bis heute auf eine Antwort: "Er wollte eigentlich einen Song von mir machen, aber ich habe ihn bis heute nicht zurück bekommen. Weißt du wie der Song heißt? "Waiting". Es ist gerade so, als wollte er mich verarschen", so Bugg im Interview mit NME.

Am Ende steht Bugg also nun immerhin auf eigenen Füßen und zeigt sich als gereifter Künstler. Der Song "Gimme The Love" lässt sogar Erinnerungen an seinen ehemaligen Mentor Noel Gallagher bzw. dessen Bruder Liam wach werden. Eine Zusammenarbeit der beiden wird aber immer unwahrscheinlicher, nachdem sich Noel öffentlich darüber beklagt hatte, dass Bugg für seine ersten beiden Alben mit Songschreibern gearbeitet hatte und Bugg im Gegenzug das letzte Album von Gallagher als "ziemlich scheiße" bezeichnet.

"On My One" ist ein Sammelsurium aus Songs, die so auch in den 70er Jahren geschrieben worden sein könnten. Dabei greift er auf seine wichtigsten Einflüsse zurück, die er wohl in der Plattenkiste seiner Eltern entdeckt hat. Neben Oasis klingen die Songs wahlweise nach Dylan ("Put Out The Fire"), Marvin Gaye ("Never Wanna Dance") oder auch mal seichtem Pop von ABBA ("Bitter Salt").

So richtig warm wird man mit dieser Retro-Mischung nicht, dazu fehlt Bugg einfach noch die nötige Persönlichkeit, seinen Songs einen eigenen Stempel aufzudrücken und neben netten eingängigen Melodien auch noch eine echte Tiefe mit zu geben. 

Nur die jugendlich-nasale Stimme macht Bugg auf den ersten Ton erkennbar, nervt aber auch relativ schnell, wenn sie nicht einen wirklich packenden Song interpretiert und leider gibt es davon auf seinem Album nicht viele. Auch ein Bob Dylan hatte nie eine besonders angenehme Stimme, aber er hatte große Songs im Repertoire und die Fans hingen deshalb förmlich an seinen Lippen. Von der Klasse seines großen Idols ist Bugg derzeit noch Welten entfernt.

Aber Moment mal: der Junge ist gerade mal 21 und steht noch ganz am Anfang seiner Karriere. Man muss ihm die Zeit lassen zu reifen und Erfahrungen zu sammeln, die man in dann auch in interessanteren Songs verarbeiten kann. Insofern ist "On My One" ein ganz okayes Album für Fans, aber noch nicht viel mehr. Vorläufig.

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