Eisland

Jenny Erpenbeck - Eisland

Redaktionswertung: 
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Schräge Stories
Jenny Erpenbeck erzählt äußerst seltsame Geschichten, die soviele - auch die schrecklichsten - Assoziationen und Interpretationen zulassen, dass man manchmal ratlos zurückbleibt. Das fesselt dennoch, dank brillanter Sprache und Psychologie.

Bei Erpenbeck kann es schon mal passieren, dass eine Kurzgeschichte zuende ist und man nicht weiß, wie sich die handelnden Personen nun wirklich zueinander verhalten. Siehe unser Hörbeispiel, eine Dreiecksgeschichte mit dem schon für sich gruseligen Titel "Im Halbschatten meines Schädels": Offenbar leben in dieser Geschichte ein Ehepaar und ein jüngeres Mädchen zusammen. Worum geht es? SM? Hält das Paar das Mädchen als eine Art Sexsklavin? Oder sind wir Zeuge einer Phantasie?

Das könnte alles echt Banane sein, wäre da nicht die geradezu David-Lynch-mäßige Fähigkeit der Autorin, mit den Mitteln der Ambivalenz immer wieder zielsicher das Unbehagen beim Zuhörer heraufzubeschwören, trefflich unterstützt von der wirklich interessant vortragenden Nachwuchsschauspielerin Katharina Schüttler.

Jenny Erpenbeck wurde 1967 in Berlin (DDR) geboren.
Nach einer Buchbinderlehre und Tätigkeiten als Requisiteuse und Ankleiderin an der Staatsoper Berlin studierte sie in Berlin Theaterwissenschaften und Musiktheaterregie, u.a. bei Peter Konwitschny, Ruth Berghaus, Werner Herzog und Heiner Müller. Seit 1991 arbeitete Jenny Erpenbeck zunächst als Regieassistentin und inszenierte danach Aufführungen für Oper und Musiktheater in Berlin und Graz. Sie lebt als freie Autorin und Regisseurin in Berlin. Im September 2001 erschien "Tand", eine Sammlung von Erzählungen, aus der unser Hörbeispiel stammt.

"Die Erzählerinnen" ist das Gemeinschaftsprojekt von vier namhaften Schriftstellerinnen und vier jungen Schauspielerinnen, die man aus großen Film- und Fernsehproduktionen wie "Das Wunder von Bern", "Die Manns" oder "Im Juli" schon kennt. Neben dem vorliegenden Hörbuch lesen Inga Busch aus Franziska Gerstenbergs “Solche Geschenke”, Katharina Wackernagel aus Karen Duves “Keine Ahnung” (beide bereits im Tonspion) und Sandra Borgmann aus Juli Zehs “Alles auf dem Rasen”.

1 CD, ca. 73 Minuten

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