Warten auf den Bumerang

Joachim Ringelnatz - Warten auf den Bumerang

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Der Meister des hintersinnigen Gedichtes
Ringelnatz und seine verqueren Reime kennt jeder. Aber er war viel mehr als nur ein harmloser Kabarettist und Entertainer. Nicht umsonst bekam der kleine, zierliche Mann mit der großen Nase 1933 von den Nazis sofort Auftrittsverbot.

Ringelnatz` bekannteste Schöpfung ist der tragische Seeheld Kuttel Daddeldu, der zwar ein großes Herz hat, aber regelmäßig im Hafen Schiffbruch erleidet. Der spätere Dichter fuhr in jungen Jahren als Schiffsjunge und Matrose selbst zur See. Den Ersten Weltkrieg machte er zuerst als Maat und zuletzt als Leutnant und Kommandant eines Minensuchbootes mit. Das Pseudonym Joachim Ringelnatz gab er sich vermutlich nach dem seemännischen Ausdruck "Ringelnass" für das glückbringende Seepferdchen.

Künstlerische Heimat wurden ihm nach dem Krieg das legendäre Münchener Kleinkunstlokal "Simplicissimus", sowie die Berliner Kleinkunstbühne "Schall und Rauch". Hier wandte er sich der Satire zu, und geißelte mit zunehmender Schärfe und Bissigkeit das bürgerliche Spießertum. Das hört man aufs Vergnüglichste in unserem Hörbeispiel "Ansprache eines Fremden an eine Geschminkte vor dem Wilberforce-Monument", zu dessen Verständnis man wissen muß, daß "Muschelkalk" Ringelnatz` Kosenamen für seine Frau war. - Jemanden, der ansonsten die Dinge derart ungeschminkt beim Namen nannte, konnten sich die Nazis jedenfalls nicht leisten.

In den 1920er Jahren erlangte Ringelnatz große Popularität mit seiner gegen den Strich gekämmten und verspielten Lyrik. Die Mischung aus Seemannsgarn, Nichtsnutz-Erkenntnissen, bitterer Zeitkritik und sanfter Verzweiflung traf nach dem 1. Weltkrieg das Lebensgefühl der Menschen. Des Dichters unter der heiteren Oberfläche zutage tretender tiefer Ernst wurde über die spaßigen Dichtungen jedoch vielfach übersehen. Ringelnatz starb noch 1934 in seiner Berliner Wohnung.

Bumerang
War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum - noch stundenlang -
Wartete auf Bumerang.

1 CD, ca. 74 Minuten

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