Divers

Joanna Newsom - Divers

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Joanna Newsom. Da fallen meistens erstmal Wörter wie Elfe, Sopran, seltsam, komplizert, Harfe, märchenhaft. Und das mag auch irgendwie alles zutreffen, ist aber, ob der Einzigartigkeit dieser Dame, doch recht einschränkend. Dabei benötigen die Songs Newsoms viel Platz. Sehr viel Platz. Das liegt weniger an ihrer zeitlichen, als vielmehr an der gedanklichen Ausdehnung.

Joanna Newsom ist eine Geschichtenerzählerin. Dabei geht sie zumeist wenig oberflächlich vor, eher mithilfe von Doppeldeutigkeiten und vielen Referenzen - persönliche, historische, philosophische, llterarische und was die Welt sonst noch hergibt.

Auf den ersten drei Alben konnte man das ganz gut nachverfolgen. Da gab es drei Akte  mit jeweils sechs Kapiteln ("Have One On Me") oder ausufernde fünf Kapitel, die zeitlich durchaus mit "Divers" mithalten könne.

Das vierte Studioalbum besteht wiederum aus elf relativ kurzen Geschichten - 'kurz' im Kosmos einer Joanna Newsom. Durch alle Songs von "Divers" zieht sich dann ein passender roter Faden: die Zeit. In all ihren Ausformungen und Dimensionen.

"Magnolia"-Regisseur Paul Thomas Anderson inszenierte das Video zu "Sapokanikan“

Die Heirat mit dem Schauspieler Andy Samberg rückte das Thema Tod für Joanna Newsom in greifbare Nähe. Der Gedanke, eine geliebte Person zu verlieren, sei unerträglich, entstehe aber eben erst durch die Liebe selbst. Ein Kreislauf, in dem die Zeit eine nicht unerhebliche Rolle spielt. "The Spirit Bends Beneath Knowing It Must End“ singt Newsom auf "Leaving The City", die Angst vor Verlust in einer Textzeile zum Ausdruck gebracht.

Da wiegt "Divers" angesichts solcher existenzialistischen Fragen bestimmt besonders schwer, oder? Ganz und gar nicht. Die Songs sind eingängig, dynamisch und vermitteln sogar eine gewisse Unbeschwertheit. Gleichzeitig werden sie von der Sensibilität Newsoms getragen.

Und von Instrumenten wie Harfe, Piano, Marxophon (eine bundlose Zither) und Mellotron (ein elektromechanisches Tasteninstrument). In "Leaving The City" trällert Letzteres besonders eingängig und erinnert an Tanzabende des Barock. Wer seine Abende bisher nicht mellotronspielend auf einer barocken Tanzveranstaltung verbrachte, sollte dies spätestens jetzt nachholen.

Fun Fact: das letzte Wort des letzten Songs der Platte "Time As A Symptom" ist "trans". Der erste Song "Anecdotes" beginnt mit dem Wort "Sending". Besser kann man die Zeit - zumindest musikalisch - tatsächlich und wortwörtlich nicht überwinden. Oder es handelt sich einfach nur um eine subtile Aufforderung, das Album in einem endlosen Loop zu hören und dabei immer wieder Neues zu entdecken.

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