Album

Provincial

John K. Samson - Provincial

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Liedpostkarten aus der Provinz

John K. Samson ist ein Mann, der schöne Lieder schreibt. Tat er das in der vergangenen Dekade in erster Linie für die und mit den Weakerthans, so erscheint mit "Provincial" nun sein zweites Soloalbum – sein erstes seit fast zwanzig Jahren.

Doch "solo" ist relativ, und mit der schmucken, akustikgitarregetriebenen Heimkassettenqualität des 1993 erschienenen "Slips And Tangles" hat "Provincial" nur zwei Dinge gemein: Diese tolle, stets freundschaftlich-melancholische Stimme zum einen, John K. Samson zum anderen. Und der ist, wie man sagt, ein Mann, der schöne Lieder schreibt.

Zwei EPs läuteten kurz nach der letzten Weakerthans-Meldung "Reunion Tour" die Solorückkehr Samsons ein. Beide sangen von Samsons näherer Umgebung, von den Straßen seiner Stadt, von Begegnungen und Gedanken. Die eine klassisch akustikgitarrig, die andere orchestral arrangiert. "Provincial" bündelt nun beide EPs, präsentiert ihre Stücke neu und in schmuckem Klanggewand, mal als – "solo" ist relativ – Band-, mal als Kammermusikstück, und setzt sechs neue Songs drauf.

Und die sind alle toll, denn siehe oben. Wie die Weakerthans selbst zuletzt keine großen Überraschungen und Originalitäten mehr lieferten, sondern aus ihrer wohldefinierten Radiorock-für-Freunde-Ecke schlicht schöne Liedpostkarten und Geschichten schickten, so setzt auch Samson eine wohlbekannt klingende Musik in die Welt, schön arrangiert und voller Wärme. Die Bläserstücke sind bewegend, sein Erwachsenenrock erbaulich, seine Worte rühren direkt an oder zeichnen schöne Lebensminiaturen.

Und so werden alle Musikkritikstirnfurchen weich und eben, wenn zum Ausklang Samson, seine Frau und ein Klavier über Gesprächstermine sprechen. Man lässt den letzten Ton verstummen, spürt plötzlich die Wärme der letzten 40 Minuten, schaut auf seine Notizen und wirft sie weg.

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