Jonas Alaska - "Younger"

Jonas Alaska - Younger

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Neustart

Daheim ein Superstar, in der Welt noch ein Geheimtipp: der Norweger Jonas Alaska bastelt am internationalen Durchbruch und riskiert auf dem Weg nach oben seine größte Stärke: die Leichtigkeit.

Der Spellemann-Preis gilt als größte Ehrung, die einem Musiker im Königreich Norwegen verliehen werden kann. Jonas Alaska erhielt diese hohen Weihen direkt mit seinem Debüt. Dazu Platz 5 in den Charts, das zweite Album kletterte sogar noch eine Position höher. Heute gehört der 28-jährige zu den erfolgreichsten Künstlern des Landes. Mit diesen Referenzen ist es kein Wunder, dass der Mann jetzt auch den Rest Europas erobern will.

Schritt 1 auf diesem Weg war die Compilation „Tonight“, die im vergangenen Jahr die besten Songs der beiden ersten Alben für den internationalen Markt zusammenfasste und die Fanbase auch außerhalb Norwegens rasant wachsen ließ. Schritt 2 ist das neue Album „Younger“, das diesen Prozess nochmal beschleunigen wird.

Man könnte auch sagen: beschleunigen soll, denn die Vorgabe „next level“ ist dem Album deutlich anzuhören. Das ist zwar erst mal nichts Schlimmes. Aber angesichts dessen, was dafür geopfert wird, eben auch nicht ohne Risiko.

Direkt zum Einstieg wird die neue Marschrichtung klar. Sommerlicher Folk war gestern, heute gibts Pop mit allerlei Geschrammel und elektronischem Support. Der Chorus will nach vorne und auf dem Weg dahin macht er keine Gefangenen. Wer Großtaten wie „Poor Little Me“ vom letzten Album kennt, wird den aktuellen Opener zumindest als strategisch ungünstig platziert empfinden.

Allerdings besinnt sich der studierte Musiker im Verlauf des Albums immer wieder auf seine durchaus beachtlichen Qualitäten. Immer dann, wenn er auf Klarheit statt Alarm setzt, die Studiotechnik mehr als Option denn als Notwendigkeit begreift und die Songs ganz für sich sprechen lässt, kann man sich dem Charme des Norwegers nicht entziehen. „She’s Not One Of Them“ und das fantastische „All The Movies“ zeigen, welches Songwriter-Talent hier am Werk ist.

Warum er bei den Vocals nun über weite Strecken nicht mehr ohne Effekte und backing auskommt ist ebenso unverständlich wie schade. Die Wirkung seiner puren und unverfälschten Stimme geht dadurch leider etwas verloren. Seine Fähigkeit, wunderschöne Akkorde für wunderschöne Worte zu finden, rettet hier allerdings so manchen Song über den Berg. „Animal“ oder „Becky“ zeigen, dass ein echter Alaska auch im neuen Gewand funktioniert. Und wenn er dann ohne jeden Schnickschnack und mit nichts als Stimme und Gitarre das reduzierte „My Heart Was Leaving Me“ anstimmt, kann für dreieinhalb Minuten die Welt vergessen. Es kann so einfach sein.

Es bleibt offen, ob Jonas Alaska sich hier einfach etwas in neuen Ideen verzettelt oder den Geboten des internationalen Marktes Rechnung tragen will. Einiges, was hier an Neuem auftaucht, hätte er weder gebraucht, noch tut es ihm gut. Der ein oder andere Song erstickt fast im Korsett, das die übermotivierte Produktion ihm aufgezwungen hat. Zwischendurch befreit er sich von diesen selbst auferlegten Zwängen, lässt den ganzen Ballast links liegen, gönnt uns seine wahre Stimme und seine wahren musikalischen Wurzeln und schafft genau damit die wirklichen Highlights.

Am Ende wurde „Younger“ ein durchwachsenes, aber insgesamt solides Album, das in seinen guten Momenten wirklich schönen, entspannten Pop bietet und dessen schwächere Songs noch immer über dem Durchschnitt liegen. Vor allem letzteres kann man ja nicht über jedes Album sagen.

 

Release-Tour:

18.4. Nürnberg - Festsaal im Künstlerhaus
19.4. München - Milla
20.4. Luzern (CH) - Neubad
21.4. Schorndorf - Manufaktur
22.4. Berlin - Lido
23.4. Stade - Hanse Song Festival

 

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