Judith Holofernes' "Ich bin das Chaos" Albumcover

Judith Holofernes - Ich bin das Chaos

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Ringelpietz mit Botschaft

Die Waldorfschullehrerin der Nation ist zurück – mit guten Ratschlägen, verhaltenen Kommentaren und einem entspannt unverkrampften Selbstbild.

Fünf Jahre ist es her, dass Wir sind Helden in eine Pause auf unbestimmte Zeit verschwanden. Seitdem brachte uns deren ehemalige Frontfrau mit “Ein leichtes Schwert” bereits eine erste Solo-Platte, die akut unter Identitätsschwäche litt. Sie war nicht richtig Helden, aber auch nichts wirklich etwas anderes. Die Zeit der Findung des künstlerischen Ego-Ichs scheinen mit “Ich bin das Chaos” nun aber beendet.

Nach ihrer einstigen Band klingt die neue Scheibe von Judith Holofernes jedenfalls selten, was zu großen Teilen dem färöischen Songwriter Teitur zu verdanken ist, mit dem Holofernes in dessen Heimat gemeinsam geschrieben hat. 

“Wir spielen Boccia mit Planeten, Charlotte guck nicht so betreten” – Charlotte Atlas

Der Multiinstrumentalist sorgte während der Sessions für die verspielten Arrangements mit Piano und Streicher und den abgewandten Blick vom klassischen Spielkasten einer 0-8-15 Indie-Band. Am klanglichen Grundrezept aus “herzallerliebst” und “die Definition des Ohrwurms” hat sich trotzdem wenig geändert.

Womit wir beim größten Pseudo-Kritikpunkt an Holofernes Musik angekommen sind, den natürlich auch diese Platte zu hören bekommen wird: Zu simpel; zu plump, künstlerisch nicht ernstzunehmend. Es fallen gerne Sätze wie, “das gefällt wohl auch meinem dreijährigen Neffen”. 

Na und? Die Musik – seien wir ehrlich – ist bei einem Album von der lyrischen Qualität einer Judith Holofernes ohnehin eher Zier als Substanz.

Natürlich ist ein Song, der auf die Melodie von “Freude schöner Götterfunke” Zeilen wie “Alle Menschen werden Brüder / später, später Renterglück” singt, mehr ein genial alberner Gag, als ein musikalisches Meisterwerk. Aber wen juckt’s?

Niemand hört Judith Holofernes, damit man sich in avantgardistischen Klangwelten verlieren und danach bei Rotwein darüber diskutieren kann.

Nein, schmunzeln will man, ein wenig ins Grübeln geraten vielleicht. Man möchte von der “Lehrerin der Nation” erheiternd in großen Fragen beraten werden und beim Tanzen mit dem dreijährigen Neffen gesagt bekommen, dass es ok ist, einfach alles hinzuschmeißen. 

"Lisa, hör auf zu leiden / Du musst Dich jetzt entscheiden / Ob Du glücklich sein willst” – Das Leiden Der Jungen Lisa

“Die Geschichte der Welt ist ein ödes Buch, aber jeder muss es lesen.[…] Am Ende kriegt der Held wohl auf die Mütze.” Niemand schreibt so niedlich und altersgerecht und auf den Punkt über die Lage der Welt. 

Und genau deswegen lieben wir diese Stimme, die manchmal nicht nach professionellen Gesangstunden, sondern mehr nach Musikunterricht in der vierten Klasse klingt. 

Bei “Ich bin das Chaos” bedarf es keinen Rotwein oder Uniabschluss, um sich darüber auszutauschen. Nein, manchmal reicht wahrscheinlich sogar schon der Wortschatz eines frischgebacken Grundschuldkindes.

Tourdaten:

  • 15.03. Frankfurt, Sankt Peter
  • 16.03. Leipzig, Täubchenthal
  • 17.03. AT-Wien, Szene
  • 18.03. München, Muffathalle
  • 20.03. Köln, Gloria Theater
  • 21.03. Berlin, Lido
  • 22.03. Hamburg, Mojo

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"Ich bin das Chaos" erscheint am 17.03.2017 auf Därängdängdäng Records.

Download & Stream: 

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