Brüllende Fahnen

Jupiter Jones - Brüllende Fahnen

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Neustart

Mit dem sechsten Album von Jupiter Jones erfindet sich die Band nach dem Weggang von Sänger Nicholas Müller komplett neu. Weniger Befindlichkeits-Pop, mehr Punk und rotzige Attitüde.

Jupiter Jones ist das passiert, wonach schon viele Bands ihr Goodbye haben bekannt geben müssen. Ihr Frontmann Nicholas Müller, Kopf und Stimme der Band, musste aus gesundheitlichen Gründen die Segel streichen. Vor kurzem feierte er nach längerer Pause sein Comeback in der Formation Von Brücken.

Interview: Nicholas Müller über seine Krankheit und das Aus bei Jupiter Jones

Mit Sven Lauer, logischerweise auch ein Mann mit musikalischer Vergangenheit, schlägt die Band eine neue Richtung ein. Die deutschen Texte sind natürlich geblieben. Musikalisch gesellen sich u.a. Bläser und eine ganze neue Attitüde ins Soundrepertoire von Jupiter Jones. Die erste Single "Brüllende Fahnen" klang für Fans und Kritiker schon sehr gewöhnungsbedürftig und nachdem das Album dann das erste mal durchgelaufen ist wird klar: die Band hat einen kompletten Neuanfang gewagt, alte Muster abgestreift, sich musikalisch geöffnet und sich einen gut stehenden Überzug aus Punk, Pop und Rock zugelegt.

"Das hier sollte Vintage klingen und trotzdem modern sein, weniger Hochglanzpop und bitte noch mehr Bandmaschinenrauschen. So viel reduzieren, dass es weh tut und jedes kleinste Signal muss dermaßen geil klingen, dass es dem ehrwürdigen Mr Jack White ein Tip Of The Hat abringt." So die Worte der Band, als der erste Song in die Welt entlassen wurde. Das Versprechen wurde gehalten. Ein roher vintageangehauchter Sound versprüht ein rebellisches Wesen, der sich klar vom gefühlvollen Befindlichkeits-Pop verabschiedet. "Ein bisschen Paranoia" zum Beispiel ist glühender Post-Punk, unterstützt vom Love A-Sänger Jörkk Mechenbier. 

Schon die Titel der Songs sind Statements. Hier will eine Band wenn dann nur sich selbst gefallen, mit dem Leben, was sie da in langer harter Arbeit auf Platte gebannt haben. "Faustschlag", "Intrigen, Intrigen" oder "Zugabteil" bieten originelle Ansätze. Viele der Songs werden zwar nicht den Geschmack alt eingesessener Fans treffen, darum schert sich die neu formierte Band aber nicht - braucht Sie auch nicht, denn mit dem neuen Stil wird man eine breite Palette neuer Fans dazugewinnen können. Und das ist äußerst sympathisch. 

Jupiter Jones ist nicht mehr die Band, die sie noch vor zwei Jahren war. Eine Band mit Aussage, mit Haltung und dem unbedingtem Drang eine musikalische Message los zu werden. "Brüllende Fahnen" beinhaltet zahlreiche gute Ansätze, auf Albumlänge aber ist es stellenweise dann doch ein bisschen abgekaut: die Themen wiederholen sich und der experimentelle Ansatz zieht sich leider nicht komplett durch. Aber für ein "Debütalbum" ist "Brüllende Fahnen" ein satter Neustart mit durchdrehenden Reifen.

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