KMF

Kakkmaddafakka - KMF

Label: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Mehr Herz als Verstand

Im Zusammenhang mit einem neuen Kakkmaddafakka Album liest man immer, wie gut die Band live sei. Das klingt wie eine vorauseilende Entschuldigung für das, was kommt. Die Formel lautet: viel Spaß + wenig Anspruch = schlechtes Album. Doch die Rechnung geht nicht auf.

KMF ist das vierte Album der Band mit dem wüsten Namen und man erzählt sich, es sei so anders als seine Vorgänger. Von Reife und vom Erwachsenwerden ist die Rede und davon, dass erst Pianist Jonas Nielsen und dann Produzent Erlend Øye die Band verlassen haben. Zumindest das Personelle ist Fakt und je nach Betrachtungsweise kann man folgende Feststellung nun als beruhigend oder alarmierend empfinden: hätte man diese Informationen nicht vorab gelesen, wäre wohl beides nicht weiter aufgefallen. Kein Umbruch, kein Neustart. KMF ist sicher nicht das „Kid A“ im Werk der Norweger. Bis auf ein paar Feinheiten hier und da klingt alles so, wie es bei Kakkmaddafakka eben so klingt.

Jedoch scheint der Ruf als wenig anspruchsvolle Texter und eher schlicht gestrickte Komponisten scheinbar soweit gefestigt, dass der ein oder andere Kritiker bei neuem Material schon gar nicht mehr so genau hinhört, denn hier hat sich was getan. Die Bandgründer Axel und Pål Vindenes sind an ihrem neuen Zweitjob als Producer gewachsen und zeigen etwas, das man zumindest für Kakkmaddafakka-Verhältnisse fast schon als Experimentierfreude bezeichnen möchte. „30 Days“ oder „No Cure“ belegen den zarten aber erkennbaren Willen zu Neuem, die gesamte Produktion wirkt etwas detailverliebter und sorgsamer. Der Powerpop von „Language“ oder die arg rumpelige Hook von „Empty Streets“ wären trotzdem durchaus verzichtbar.

Es stimmt - alles was hier passiert, passierte so oder ähnlich bereits anderswo, nicht zuletzt auf den bisherigen Alben der Band. Kakkmaddafakka sind keine Visionäre, die Melodien, die Hooks, all das kennt man natürlich. Dass der Output dennoch keine stumpfe Massenware ist, liegt an der charmanten Leichtigkeit der Songs. Der Sound von Kakkmaddafakka nährt sich aus Disco, Hip Hop, Reggae und einer Prise Funk; die Einflüsse sind vielfältig und die tapfer wiederholte Behauptung vom plumpen Vorwärts-Pop entpuppt sich als unhaltbar.

Insgesamt ist das neue Album der Chaostruppe keine weltverändernde aber eine durchweg schöne Sache. Man kann bemängeln, dass hier trotz Umbesetzung und neuer Produktion mehr oder weniger das Gleiche entstand was bereits drei mal im Regal steht. Das kann man aber auch lassen. Die Welt ist voll von miesem Allerweltspop fürs Radio, dessen Erzeuger sich trotzdem furchtbar wichtig nehmen. Das tun Kakkmaddafakka nicht. Sicher, das macht aus ihren Lyrics nicht Shakespeare und aus den Songs keine Meilensteine der Musikgeschichte. Aber es macht die Partykapelle aus Bergen extrem sympathisch und erklärt irgendwie, warum man sich das auch zum vierten Mal noch gern anhört.

Zwei DInge kann man wohl getrost festhalten: Kakkmaddafakka werden in diesem Leben wohl nicht mehr die Lieblinge des Feuilletons. Und sie werden dessen völlig ungeachtet auch 2016 wieder die Massen auf sämtlichen Festivals zum kollektiven Ausrasten bringen. Wie sagt man so schön in der Medizin? Wer heilt hat Recht.

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