Album

Karlshorst

Kinn - Karlshorst

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Die große Kunst des Kopfkinos

Kinn. Das ist eine Allstarband aus dem experimentierfreudigen Untergrund. Klingt schwer nach Chicago, kommt aus Berlin, fasziniert im Detail und hebt heimlich die Grenzen zwischen Musik, Kunst und Kopfkino auf.

Karlshorst ist eigentlich ein etwas vernachlässigter, aber doch recht idyllischer Stadtteil Berlins. Vermutlich wird Karlshorst nicht der nächste hippe Kiez der Stadt, genauso wie das zweite Album von Kinn, das den Namen eben dieses Bezirkes trägt, nicht Album der Woche beim NME werden dürfte. Aber in Japan und den USA hat man Kinn schon seit längerem auf dem Zettel und in anspruchsvolleren Kreisen für extraordinär gut befunden. Hierzulande muss Berlins Spürnase für Feines „Sinnbus Records“ auf diesen musikalischen Großentwurf aufmerksam machen. Marcel Türkowsky (Masonne-Bassist und Geräuscheforscher), F.S. Blumm (Morr Music, Staubgold) und Jan Thoben (Gaston- und Taunus-Schlagzeuger) ziehen sich auf „Karlshorst“ gegenseitig die Inspiration aus den Fingern. Ungewollt und unbewusst, wahrscheinlich, denn hier versteht sich ein Experimentier- und Expertenteam blind und setzt dabei Kunst frei. Knistern, Sprache, Loops und Strukturen zersetzende Harmoniesucht erzeugen ein Kopfkino. Man erlebe dies am eigenen Leib: zu hören gibt es hier einen Ausschnitt aus dem Stück „Lunte“, einer Trilogie, wenn man so will. Auf Platte ein mächtiger 10-Minüter, als Kostprobe hier einer der drei Teile. Das sind minimalste Konstrukte auf Großbildleinwand, auf der die Liebe zum Detail zelebriert wird und sich dann in großen Gesamtentwürfen bildhaft vereint. Musik ist manchmal Kunst. Ganz ganz große Kunst. (bb)

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