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Fieber

Klaus Kinski - Fieber

Redaktionswertung: 
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herausragend
Klaus Kinskis Gedichte aus dem Nachlass

Als "Tagebuch eines Aussätzigen" bezeichnet sich diese CD im Subtitel - und die bekannten Kinskischen Extreme, sowohl was die Poesie, als auch was die Fäkalsprache betrifft - enttäuschen nicht. Die fremdartige Diktion seines Sohnes sorgt für Atmosphäre.

Im Herbst 2006 wurde Nikolai Kinski vom Suhrkamp Verlag gebeten, anläßlich der Taschenbuchveröffentlichung von "Fieber - Tagebuch eines Aussätzigen" aus dem wiederentdeckten Nachlass seines Vaters einige Gedichte auf der Buchmesse vorzulesen. Daraus wurde ein Bühnenprogramm und später ein CD-Projekt. Erst an, mit und wegen der Gedichte seines Vaters hat Nikolai Kinski überhaupt Deutsch gelernt, was für eine oft seltsam und schräg klingende Sprachmelodie verantwortlich ist, die aber ausgezeichnet zu den Inhalten der Gedichte paßt.

Im Zuge des Projektes, dessen Entzwicklung er in den Linernotes beschreibt, wurde ihm bewußt, dass er die Gedichte seines Vaters am Anfang zu wenig "befreit" hat. Gemeint ist: Zu sehr rezitiert, zu sehr im "Käfig der Worte" belassen, zu wenig gespürt, zu wenig von der Extrememotionalität des Vaters hineingelegt. Bis zum Schlußpunkt, der vorliegenden Einspielung, war von solcher Zurückhaltung nichts mehr übrig. Nikolai wird, ohne den Vortragsstil des großen Klaus zu imitieren, sondern als Interpret, zum Abbild seines Vaters, wenn er dessen Gedichte liest.

Unser Hörbeispiel, das Gedicht "Meine Todeswonne", stellt die düster-elegisch-melancholische Seite des Romantikers Kinski dar. Ein leiser, meist ruhiger Text voller Schwermut und Todesverachtung, der an Byron und Rimbaud denken läßt, zwei Figuren, die der Schauspieler Kinski sicher vollendet hätte spielen können.

1 CD, ca. 59 Minuten

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