Hello again

Klee - Hello again

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Tanzbare Melancholie

Mit „Gold“ und „Zwei Herzen“ spielten sich Klee in die Ohren und Beine der Popfans. „Willst du bei mir bleiben“ verschaffte ihnen sogar einen Platz in den Herzen einiger Schlagerfans. Die logische Konsequenz? Richtig: Klee begeben sich auf die Suche nach der guten Seite des Schlagers.

Beinahe 20 Jahre und fünf Alben Bandgeschichte liegen hinter Suzie Kerstgens und Sten Servaes, kurz: Klee, und der Spaß an der Musik scheint präsenter denn je. So kommt man dann auch auf die Idee, während der Produktion für das eigentliche Album einen kleinen Abstecher zu machen - einen Abstecher in sommerliche Rhythmen. Warum auch nicht? Für den August mehr als passend.

Was geschieht, wenn aus launiger Spielerei ein bisschen Ernst wird, zeigt das Kölner Duo auf ihrer neuen Spätsommer-Platte. Schuld war nicht der Bossa Nova allein, sondern eine Limonaden-Werbung, für die Klee ein Cover des Howard Carpendale-Schmachfetzens „Hello again“ einspielten. Das ganze erhielt eine Eigendynamik und es entstanden insgesamt zwölf neue Versionen von Schlagern aus den 60er und 70er Jahren, die allesamt eine gewisse Melancholie ausstrahlen und kindlich-nostalgische Gefühle in uns wecken. Das titelgebende "Hello again" darf da natürlich nicht fehlen.

"Hello again", der Titeltrack des Albums

Alte Gassenhauer in ein neues Gewand zu kleiden ist nicht neu. Robbie Williams nahm sich den Swing vor, Michael Bublé auch. The Bosshoss, Dick Brave and the Backbeats - sie alle haben bekannten Hits genreübergreifend einen neuen Klang verpasst. Die französische Kombo Nouvelle Vague verzeichnet allein mit den Neu-Arrangements alter Hits riesigen Erfolg - besonders beliebt: der Bossa Nova. Überhaupt halten die Franzosen ihren Chanson nach wie vor in Ehren, während Schlager inzwischen eher als Schimpfwort taugt, was nicht zuletzt an den seelenlosen Kommerz-Produktionen unserer Zeit liegt.

Den Ständchen aus dem guten alten Schlager-Repertoire werden durch Sängerin Suzie Kerstgens Wärme und Tiefe, wortwörtlich, eingehaucht. Sie reichen von bekannten Größen wie Roland Kaiser ("Manchmal möchte ich schon mit dir") über Roy Black ("Du bist nicht allein") bis hin zu den beiden großen Udos, den Lindenberg ("Ich lieb dich überhaupt nicht mehr") und den Jürgens ("Immer wieder geht die Sonne auf"). Allen gemein ist eine tanzbare Melancholie: während der untere Teil des Körpers locker die Beine schwingt, schwelgt der obere in leiser Nostalgie. 

Natürlich kann man unken, die Kölner wollten sich nur an die aktuelle Schlagerwelle dran hängen. Man kann es aber auch so sehen, dass Klee den guten alten Schlager vor der Ballermann-Fraktion retten, denn ihr leises charmantes Album wird dort oder zum Karneval garantiert niemand spielen.

Ganz ohne Bossa Nova, dafür aber mit umso mehr Pop und einem dezenten Hauch von Texas.

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