Menschen an sich

Klotz + Dabeler - Menschen an sich

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Literarischer Pop
Pop-Literatur ist ja durch, aber was ist mit Literatur-Pop? Auch wenn es komisch klingen mag, aber es funktioniert sehr gut. Klotz + Dabeler bringen literarische Text(-Fragmente) mit herrlich leichtfüßiger Musik zusammen. Wie eine tanzbare Kurzgeschichtensammlung mutet ihr neues Album an.

Almut Klotz und Rev. Christian Dabeler wissen wie man solch eine Vermengung anpackt. Sie spielte bei den Lassie Singers und sang beim Popchor Berlin, er arbeitete mit verschiedenen Musikern wie Rocko Schamnoni zusammen. Gemeinsam haben sie 2005 bereits einen Roman veröffentlicht. Als musikalisch-literarisches Duo sorgen sie für eine frische Brise in der großen Deutsch-Pop-Seifenblase.

Auf einen klaren Trademark-Sound verzichten sie und verbinden stattdessen verschiedene Einflüsse – Chanson, LoFi, Pop, Indie. Doch: es klingt selten willkürlich zusammen gewürfelt. Man hört den beiden die Reife im Umgang mit Musik und Attitüden an. Hier wird nicht bloß kokettiert, hier werden auf leichtfüßige Weise mehr oder weniger leicht durchschaubare Geschichten erzählt und passend vertont. Großer Bonus ist, dass sich Klotz + Dabeler für Pop-Musik entschieden haben, wenn auch für eine kantigere Form.

Das Album "Menschen an sich" fällt dementsprechend eingängig aus und versucht sich gar nicht erst an einer verkopften Vertonung von Texten. Die literarischen Arbeiten scheinen sich dem Pop-Diktat zu fügen, so dass die Texte nicht wie Fremdkörper über die Musik platziert wurden. Insofern macht diese literarische Reise unheimlich viel Spaß, denn die textliche Qualität ist erfrischend hoch im Gegensatz zu den zahlreichen Befindlichkeitslyriken von Juli & Co. Im November sind sie in (fast) ganz Deutschland auch live zu sehen.

Jens Wollweber | Tonspion.de

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