Kollegah - Imperator

Kollegah - Imperator

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Vor dem Sturz?

Am 9. Dezember 2016 erklomm Kollegah die nächste Evolutionsstufe und wurde zum "Imperator". Noch ist er Deutschraps Kaiser, langsam formiert sich aber Widerstand.

Schon Wochen bevor es den ersten Ton zu hören gab, dominierte Kollegah mit seinem neuen Album "Imperator" die Vorbestellercharts. Dieses blinde Vertrauen seiner Fans hat sich Kolle in seiner Evolution vom Boss über den King bis hin zum Imperator zwar hart erarbeitet, es zeigt aber auch, dass es mittlerweile eigentlich völlig egal ist, was Kollegah macht. Ein Erfolg wird es eh.

Als dann die erste Single "Nero" erschien und ein amtliches Video im Stile von "Mad Max" präsentierte, kamen plötzlich kritische Stimmen von Leuten, die Kollegah jahrelang abfeierten. Dabei macht Kollegah genau da weiter, wo er aufgehört hat: verbales und körperliches Gepose, unterhaltsame Punchlines in seinen unverwechselbaren Reimketten, alles verpackt in einer einwandfreien Produktion.

Kollegah - Nero

Hat sich das Phänomen Kollegah langsam abgenutzt? Bröckelt das kaiserliche Denkmal, das sich Kollegah mit gestählter Brust selbst gemeißelt hat? Oder hat das schauspielerische Talent des Felix Blume, wie Kollegah bürgerlich heißt, bewirkt, dass die Leute die Ironie hinter dem Boss nicht mehr erkennen? 

Kollegahs Posts in der Promophase zu "Imperator" sollten mit allerlei wissenswerter Side Facts wie "Bei den Arbeiten zum Werk wurden 67 A-Level Punchlines wieder verworfen, da sie den Gegner nur zu 80% entehrten" eigentlich auch dem Letzten verdeutlichen, dass man Kollegah immer mit einem Augenzwinkern hören muss.

Geändert hat sich auf "Imperator" wie gesagt eigentlich gar nichts. Kollegah ist im Umgang mit seinen Deutschrapkollegen wie immer "Cold Blooded", packt den ein oder anderen Diss gegen SidoMark Forster und Konsorten aus ("Hardcore") und garniert seine Drohungen mit guten, alten Schusswaffengeräuschen. Zwischendurch erklärt er, warum er der Größte ist ("Kaiseraura", "Rapkoryphäe") und zeigt ab und an auch die weiche Seite unter dem hart definierten Äußeren ("Einer von Millionen feat. MoTrip", "Zeit"). Der Erfolg gibt ihm Recht: In den deutschen Albumcharts des Jahres 2016 belegte "Imperator" am Ende Rang 14 und in den HipHop-Jahrescharts Platz 3.

Kollegah - Hardcore

Kollegah ist eben ein astreiner Geschäftsmann. Er weiß haargenau um seine Wirkung, spielt mit seinem Ruf, treibt diesen immer weiter und wird seinen unverwechselbaren Stil aus Größenwahn und Eloquenz so lange durchziehen, bis ihm die Scheine vielleicht irgendwann nicht mehr zufliegen und er das Geschäftsmodell Deutschrap nicht mehr dominiert.

Dass er aber seinen "Fokus" in nächster Zeit verliert, ist momentan eigentlich nicht vorstellbar. Nun liegt es allerdings an ihm, sich vielleicht doch mal neu zu erfinden, denn die ersten Fans haben sich an Kollegahs Style langsam abgehört. Dennoch ist "Imperator" immer noch bestes Rapentertainment und wird die meisten seiner Untertanen zufriedenstellen. Dass es irgendwann doch zum Sturz des Kaisers kommt, ist aber nicht mehr ausgeschlossen.

Kollegah - Imperator (Stream)

Um das Album zu hören brauchst du einen kostenlosen Spotify Account. Ohne Werbung gibt's Spotify bereits ab 2,50 Euro im Familyabo.

"Imperator" von Kollegah erschien am 9. Dezember 2016 via Warner Music.

Download & Stream: 

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