ARTPOP

Lady Gaga - ARTPOP

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Mehr POP als ART

Seit fast einem Jahr wird die Gaga-Gemeinde auf "ARTPOP" eingeschworen. Jetzt ist es da, das dritte Studioalbum von Stefani Joanne Angelina Germanotta alias Lady Gaga. Wegen der Musik wird man es sich eher nicht zulegen.

Eigentlich war es von vornherein klar, dass „ARTPOP“, Lady Gagas drittes reguläres Album, nicht wegen aufsehenerregender Musik erfolgreich sein wird. Nein, aufsehenerregend ist Gaga selbst und vor allem das exorbitante Brimborium im Vorfeld der Veröffentlichung. Man denke nur an das mediale Getöse, als vor einigen Wochen Jeff Koons' Coverdesign „enthüllt“ wurde oder an die spektakuläre Zusammenarbeit mit Konzeptkünstlerin Marina Abramovic, die Gaga als ihre Mentorin bezeichnet. Beides berühmte Künstler, die sich nur noch um ihre Vermarktung kümmern und weniger um künstlerische Aspekte.

Auch der Albumtitel – Popart, nur umgedreht und in Versalien geschrieben – teilt der Öffentlichkeit schreiend mit, dass es sich hier um KUNST im Geiste Andy Warhols handelt, den Lady Gaga ebenfalls verehrt. Es ist ja nichts Falsches daran, die Nähe anderer KünstlerInnen zu suchen, ihren Werken zu huldigen und die Welt mit Kunst zu einer besseren machen zu wollen. So weit, so gut.

Leider - und jetzt kommen wir doch endlich zur Musik -, ist Lady Gaga auf ihrem Weg zum Gesamtkunstwerk, das ihr Vorbild Madonna wie eine katholische Internatsleiterin erscheinen lässt, der Sinn für abgründigen Humor abhanden gekommen, der ihr Debütalbum „The Fame“ auszeichnete. „Born This Way“ war unverkennbar düsterer (und die Musik deutlich schlechter), „ARTPOP“ soll nun wieder einen neuen Weg einschlagen und Gagas künstlerische und poetische Entwicklung feiern. Nur: wo ist der artifizielle doppelte Boden im eindeutig-zweideutigen Duett mit R. Kelly? Wo die Subversion in Tracks wie „Fashion“ oder „Donatella“, die durch die Produktion von Elektro-DJ Zedd hauptsächlich auf Clubtauglichkeit und Laufstege getrimmt sind?

„ARTPOP“ wirkt in seiner maximalen Übertreibung schwer und bemüht und wenig künstlerisch – kein Wunder, wenn man sich den enormen Druck bei dieser Unternehmung vorstellt, sich unbedingt als der weltweit größte Popstar etablieren zu müssen. Das scheint derzeit nicht mehr ganz aufzugehen, Miley Cyrus oder Katy Perry graben Gaga zunehmend das Wasser ab. Und eine 16-jährige Neuseeländerin namens Lorde toppt sie dann auch noch in den US-Charts mit einem kompletten Gegenentwurf zu Gagas aufgeblasenem Plastikpop.

Gerechterweise muss erwähnt werden, dass „ARTPOP“ tolle Momente hat: Lady Gagas soulige Stimme und balladeskes Pianospiel bei „Dope“ und „Gypsy“, der monstermäßige Beat von „Do What You Want“ oder die Theatralik der Single „Applause“. Aber ein paar gute Tracks rechtfertigen noch nicht den heftigen Aufwand: es sieht ganz danach aus, als würde Lady Germanotta auch in Zukunft wegen ihrer exaltierten Kostüme und weniger wegen ihrer Musik Schlagzeilen machen.

Lady Gaga - Applause

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